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Flussreport: Der Bobr (Bober)

Polens wilder Westen

bober-bei-bunzlau1Nun ist es ja den meisten Flussläufen eigen, dass sie ihren Anfang in einer vordergründig gebirgigen Landschaft nehmen, die darüber hinaus oft als besonders reizvoll und schön empfunden wird. Wenn dies im Allgemeinen für die meisten Flüsse dieser Welt zutrifft, dann trifft es im Falle des Bobers in besonderem Maße zu.

Sein junger Oberlauf hat eine privilegierte Lage, die ihn durch das Hirschberger Tal am Fuße des Riesengebirges führt. Das erlaubt es ohne Übertreibung, sein Antlitz als geradezu märchenhaft zu beschreiben. Dieses Urteil rechtfertigt unter Anderem der Blick von seinen Ufern auf die Silhouette des Riesengebirges und eine Reihe prominenter Herrschaftshäuser vergangenen schlesischen Adels, an dessen Gütern sein Lauf vorbeiführt.

Schwer zugängliche Schönheit

Für Wasserwanderer hat diese Schönheit jedoch einen nicht geringen Makel, denn mit Booten ist sie nur schwer zugänglich. Im Oberlauf ist der Bober noch ein junger Gebirgsbach, dessen Befahrbarkeit stark von den Wasserständen abhängt, die in der Lieblingsjahreszeit für Paddler eben meist nur niedrig sind. Im Sommer kann in der Regel erst nördlich von Jelenia Gora / Hirschberg ab der Bobertalsperre von einer passablen Wasserwanderroute die Rede sein. Dennoch kann der Bober bei entsprechenden Wasserständen auch bereits ab Kamienna Gora befahren werden. Dort beginnt er als aufregender Wald- und Wiesenfluss als ein besonderes Paddelabenteuer zwischen Riesengebirge und Landeshuter Kamm und fließt in großartig geschwungenen Mäandern mit vielen kleinen überschaubaren Stromschnellen dem Hirschberger Tal entgegen.

Wildwasserritt

Was so gemütlich beginnt, wird hinter der Ortschaft Marciszow für eine kurze Passage zum echten Wildwasserritt. Dort verengt sich das Bober-Tal plötzlich am Durchbruch des Landeshuter Kamms, bevor es sich hin zum Hirschberger Talkessel öffnet, und hält ein paar Verblockungen im Flusslauf als Herausforderung bereit. Wer dies und die vielen Wehre nicht scheut, kann bereits auf dieser Strecke einen tollen Fluss erleben. Ab Jelenia Gora empfiehlt sich dann jedoch eine Unterbrechung und Weiterfahrt erst unterhalb des Stausees, da verbaute Wehre mit großem Höhenunterschied, eine weitere Verblockung hinter Jelenia Gora und der Staudamm bei Pilchowice wenig Paddelatmosphäre aufkommen lassen. Trotz dieser Einschränkung bietet der Bober aber auch hinter dem Hirschberger Tal noch genügend großartige Erlebnisse für Paddler.

Freude an der Qual

Wer bereit ist, diese Reise anzutreten, der sollte jedoch Freude daran haben, sich durch unwegsames Terrain zu quälen und Wehre nicht als reine Zeitverschwendung ansehen, denn ihre Überwindung beansprucht den beinahe größten Teil der Zeit. Wem das nicht die Urlaubslaune vermiest, der wird mit dem Erlebnis einer urtümlichen Landschaft belohnt. Das Boberland ist überraschend urtümlich und streckenweise wähnt man sich nicht in Westpolen, sondern meint, weit im Osten Europas unterwegs zu sein.

Tatsächlich in Westpolen

Geografisch betrachtet, liegt der Bober aber tatsächlich in Westpolen zwischen Neiße und Oder. Er fließt von der nördlichen Abdachung des Rehorngebirges kommend, durch das Hirschberger Tal, um von dort den Weg nordwärts durch das schlesische Tiefland in etwa parallel zur Lausitzer Neiße zu nehmen. Auf der Karte sieht der Bober ab Hirschberg ein bisschen wie der östliche Bruder der Neiße aus. Er bildet mit ähnlichen Bögen und Schwüngen ein circa 100 Kilometer weiter im Landesinneren von Polen liegendes Abbild der Neiße. Seine Gestalt ist jedoch kräftiger und hat nichts von dem zierlichen Antlitz seines Schwesternflusses. Während sich die Neiße an der deutsch-polnischen Grenze als unauffälliges, verwachsenes Wiesenflüsschen in den Grenzstrom verliert, mündet der Bober 30 Kilometer weiter östlich als imposanter Fluss bei Krosno Odranskie / Crossen in die Oder.

Keine Garantie

Immer wieder schiebt der Bober gewaltige Wassermassen aus den Westsudeten nordwärts, die ihn zu einem anspruchsvollen Paddelgewässer machen. Dementsprechend reguliert ist sein Flusslauf. Es gibt viele Wehre und mehrere Rückstaubecken. Eine Befahrung ist aus diesen Gründen erst hinter der Bobertalsperre nördlich von Jelenia Gora / Hirschberg empfehlenswert. Obwohl der Bober ab hier aus dem Rückstabecken in der Regel kontinuierlich mit Wasser gespeist wird, ist das jedoch keine Garantie für die obligatorische Handbreit Wasser unterm Kiel. Um Lwowek Silesian gibt es viele Tagebaurestlöcher, die gegenwärtig mit Hilfe des Bobers geflutet werden. Da kann es vorkommen, dass der gut ausgerüstete Wasserwanderer plötzlich mit Gepäck und Boot auf dem Trockenen sitzt und eine Durststrecke lang auf seine Füße angewiesen ist. Durchhaltewillen machen auch die vielen Wehre nötig, die in den seltensten Fällen befahrbar sind.

Das Ende der Suche

Nach einer Serie derartiger Strapazen und weiteren 50 Kilometern erreicht der Fluss Boleslawiec / Bunzlau am Rande des Berglandes. Ab hier führt das Wasser durch die Niederschlesische Heide, vorbei an prächtigen Wäldern und versteppten Ebenen. Bis auf gelegentliche Wehre bietet der Flusslauf in diesem Terrain einigermaßen verlässliche Reisebedingungen. Allerdings entfaltet das Gefälle hier immer noch immense Kräfte, die zusammen mit den periodischen Hindernissen eines Wildflusses einiges vom Reisenden abverlangen. Ein gemütlicher Binsenbummlerfluss wird der Bober erst in seinem Unterlauf ab Nowogard Bobranski, wo er gemütlich der Oder entgegen schlendert. Für jene verwegenen Paddelenthusiasten aber, die keine Kühnheiten und Mühen scheuen, ist der Bober das Ende der Suche nach einem echten Abenteuerterrain.

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  4. Ich bin den Bobr schon 6 mal gefahren. Es war immer wieder ein tolles Erlebnis. Ich möchte ihn in meiner „Flüssesammlung“ nicht missen. Die Menschen sind freundlich, die Landschaft wunderschön, es gibt nur ein Rezept: die Umtragungen einfach als abechslungsreiches Abenteuer sehen können und Respekt vor dem Fluss haben, manchmal ist er ganz schön wild. Andreas aus Dresden

    Viel Spaß dabei Andreas aus Dresden

    Andreas Paul on Mai 10th, 2012 at 21:29

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