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Flussreport: Die Berounka (Beraun)

Der 140 Kilometer Abenteuerspielplatz

berounka paddelnEin Geograf würde sagen, die Berounka ist ein Fluss in Westtschechien. Aber das wäre stark verkürzt und nicht einmal die halbe Wahrheit. Wenn Tschechien ein Land voller exotischer Wildwanderflüsse ist, dass ist die Berounka der Abenteuerspielplatz unter ihnen.
Der Naturbegeisterte würde erzählen, dass die Berounka auf ihren 140 Flusskilometern durch eine ganze Reihe von Naturparks und Landschaftsschutzgebieten fließt, und dass sich überall an ihren Ufern Naturreservate und Naturdenkmäler befinden. Damit hat er zwar Recht. Aber hat er damit auch erzählt, dass die Ufer so dermaßen abwechslungsreich sind, dass man nach mancher Flussbiegung nicht mehr sicher ist, ob man noch auf demselben Fluss unterwegs ist?

Alles paddeln

Und der Hydrologe würde erklären, dass das Wassersystem der Berounka von der deutsch-tschechischen Grenze in Bayern bis nach Prag reicht. Aber den Wasserwanderer interessiert vermutlich ein ganz anderes Detail. Dass nämlich die Berounka von Beginn an paddelbar ist, was recht ungewöhnlich für einen Fluss ist. Hätte der Hydrologe aber sofort erklärt, dass die Berounka erst ab Pilsen am Zusammenfluss von Mže (Mies) und Radbuza zur Berounka wird, dann wäre dieses Detail sofort verständlich gewesen.

Ein Fluss, viele Namen

So gab es einige Namensänderung in der Geschichte des Flusses, wo unter anderem auch der gesamte Flusslauf Mže (Mies) genannt wurde, wie der aus Bayern stammende Nebenfluss, der ab Pilsen zur Berounka wird. Heute trägt der Fluss von Pilsen bis zu seiner Mündung bei Prag den Namen, abgeleitet von der Stadt Beroun. So steht Berounka (deutsch Beraun) heute für den 140 Kilometer langen Abenteuerspielplatz zwischen Pilsen und Prag, der eine Woche Paddelspaß verspricht, wenn die Sommerhitze nur genug Wasser im Flussbett lässt.

Verdammt heiß

Wir waren in einem verdammt heißen Sommer auf der Berounka unterwegs gewesen. Tag und Nacht hatten wir Abkühlung im Fluss gesucht, und trotzdem war das Wasser immer zu warm gewesen. Aber zum Paddeln hatte es gereicht.

So muss das

Alles begann im Sommer 2015 auf einer Wiese nördlich von Pilsen am Fluss. Der Sommer hüpfte auf Schritt und Tritt vor unseren Füßen. Zwischen Grillenzirpen stellten wir unsere Zelte direkt am Fluss neben einer schönen Einstiegsstelle auf. Es war unser erster Lagerplatz direkt an der jungen Berounka, die hier kaum einen Kilometer alt war. Die Stelle war perfekt. Wir waren mit dem Auto bis hierhergekommen. Hier konnten wir schon die ersten Stromschnellen hören, die uns morgen stromabwärts erwarten würden. Ein Gefühl der Vorfreude erfüllte uns den ganzen Abend. So muss das, dachte ich noch beim Einschlafen.

Eine Stadt, zwei Seen

Was ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht wusste: die Berounka ist ein Paddel-Ideal, welches uns jeden Abend einen solchen Lagerplatz bieten würde. Jeden Abend stellten wir unsere Zelte in eine neue Idylle, die alle vorherigen Plätze an Idylle zu überbieten versuchte. Erst in der Nähe von Prag wurden die natürlichen Wildlager-Plätze rar. Aber dafür gab’s dort immer noch die sympathischen „Kemps“, die uns auf der gesamten Tour begleiteten.

Für die ganze Familie

Insgesamt ist die Berounka oft breit. Ab und zu entstehen Verengungen mit Stromschnellen. Die Situation auf dem Wasser bleibt dennoch immer sehr entspannt. Die Berounka gibt sich als entspannter Familienfluss, der auch im Oberlauf schon überraschend breit ist und genug Platz für Non-Professionals lässt. Es wurde an keiner Stelle ungemütlich.

Perfekte Paddellandschaft

Bemerkenswert ist auch das Tal. Bei einem für tschechische Verhältnisse relativ typischen Wildfluss, bildet die Landschaft, durch welche die Berounka führt, eine phantastische Komposition aus Bergen, Wald und Wiesen, die mit einem mäandernden Flusslauf in der Mitte eine perfekte Paddellandschaft ergeben.

Wurst und frittierter Käse

Immer pünktlich zum Mittag kommt ein Imbiss. Bei uns gab es Wurst und frittierten Käse. Diese Tour war irrwitzig anders als das, was wir sonst machen. Keine Kilometer und keine Herausforderung vor uns. Wir machten hier einfach mal runter. Die 150 Kilometer bis Prag sind in einer Woche entspannt machbar.

Ausbooten

Dabei wollten wir nicht zu schnell sein. Schon 18 Uhr hatten wir gemütlich angelegt an einer perfekten Lagerstelle und diese für uns geblockt. Nicht ganz ohne Grund. Wir hatten bei der Menge an Kanuten teilweise wirklich Sorge, einen ruhigen Platz zu finden. Die hatten hier schon 16 Uhr begonnen auszubooten!

Der weitere Tagesablauf bestand dann aus viel Baden, später Zelte aufbauen und etwas Feuerholz organisieren. Diese ungewohnte Gelassenheit gefiel uns.

Bootsrutschen

Natürlich gibt es tagsüber auf dem Wasser auch etwas zu tun. Immer wieder stießen wir auf Wehre. Doch wie sich das für einen echten Abenteuerspielplatz gehört, besitzt die die Hälfte der Wehre eine Bootsrutsche und die meisten Wehre sind je nach Wasserstand irgendwie befahrbar. Einzig blöd war, dass einige der Bootsrutschen hohe Stufen am unteren Ende hatten, so dass sie mit Steueranlage kaum vernünftig befahrbar waren. Das kann jedoch auch am Niedrigwasser bei diesem heißen Sommer gelegen haben.

Leicht wild

Die Strömung war zwar meist träge, und doch fand das wenige Wasser immer wieder zu einer Stärke, die als leichtes Wildwasser durchgehen konnte. Dadurch blieb die Berounka abwechslungsreich, wurde aber dennoch nicht gefährlich. Damit ist die Berounka gut für Familien und Gruppen geeignet, wo nicht alle ausgiebige Paddelerfahrung haben, aber trotzdem ein actionreiches Flussbett erleben möchten.

Kein Tiefland in Sicht

Das abwechslungsreiche Tal bleibt über die gesamte Woche. Hoch über dem Fluss kann man Burgruinen auf Bergen sehen. Selbst bei den letzten 55 Kilometern angekommen, ist kein Tiefland in Sicht. Stattdessen gab es an diesem Tag mehrere wuchtige Stromschnellen für uns. Zwischen Niżbor und Beroun weitet sich das Tal, zieht sich nach Beroun jedoch wieder eng zusammen. Imposante Felsformationen dicht am Ufer begleiten nun den Fluss; und am linken Ufer ein Radweg.

Arbeitswehr

In Niżbor gab es für uns das erste richtige Arbeitswehr. In Beroun folgte das nächste Wehr, wo wir eine richtige Umtragung zu meistern hatten. Mit der Neugier für die lebendige Städte und ihre Bewohner war das für uns jedoch mehr eine willkommene Abwechslung als Arbeit.
Ab Niżbor trafen wir auf weniger Kanuten. Auf den letzten 25 Kilometern weitet sich das Tal und die Wände ziehen sich zurück. Die höhere Siedlungsdichte mit den Prager Ausläufern wird nun langsam spürbar. Doch die Berounka bleibt bis zuletzt spannend mit leichtem Wildwasser mit Stromschnellen.

Kühle Moldau

Über dem Wasser wurde es immer noch heißer und heißer. Der Fluss konnte kaum noch kühlen. Erfrischend wurde es erst in der Moldau wieder, als die Berounka in die ungleich kältere Moldau mündete. Das lag vermutlich an den Stauseen im oberen Moldau-Lauf, wo das Wasser oft unterirdisch aus tieferen und damit kälteren Lagen abgelassen wird.

Ende in Prag

Die letzte Etappe beendeten wir in einem Camp in Prag auf dem Gelände einer alten Kanusportanlage. Das Camp liegt auf einer Moldau-Insel in der Nähe vom Bahnhof Smichov Naradżi. Alle Mitarbeiter hier sind früher selbst gepaddelt, wie sie uns erzählten.

Fazit

Die Berounka beginnt bei Pilsen etwas brackig mit trübem Wasser. Das Wasser wird jedoch bereits nach zwanzig Kilometern sehr klar.
Grundsätzlich hat die Berounka eine geringe Strömung, die nur in Verengungen und Durchbrüchen etwas schneller wird. Dort gibt es dann Sohlschwellen und Stromschnellen. In breiten Abschnitten ist die Strömung entsprechend langsamer
Bemerkenswert ist, dass die Berounka von Beginn an – am Zusammenfluss von mehreren Flüssen in Pilsen – befahren werden kann. Das Berounka-Tal ist auf allen Etappen spannend und bietet immer wieder Veränderungen im Flusslauf. Durch das meist enge Tal bietet sich darüber hinaus ein spektakuläres Landschaftserlebnis.

Die Berounka ist im Sommer von Pilsen bis Beroun viel befahren. Aber neben den vielen offiziellen Biwakplätzen mit Zeltplatz und Imbiss gibt es am gesamten Flusslauf auch schöne Wildlagerplätze. Der letzte Campingplatz am Flusslauf ist kurz vor der Mündung in der Nähe von Karlstejn. Von hier kann man schon den Lichtkegel von Prag am Himmel sehen.

In Mündungsnähe erreicht die Berounka bereits das Stadtgebiet von Prag, bevor sie dann in die Moldau mündet. Mit der Moldau stromabwärts kann man super nach Prag hineinpaddeln und den ersten Campingplatz am linksseitigen Ufer ansteuern, wo ein paar Wassersportveteranen eine alte Kanu-Sportstätte zu einem Stadtcampingplatz umfunktioniert haben. Es bietet sich an, hier den Abschluss der Fahrt zu planen. Um hierhin zu gelangen, muss man eine Schleuse passieren.

Hinweis: Auf der Moldau in Prag ist es empfehlenswert, nicht nachts zu paddeln. Im Stadtgebiet herrscht so etwas wie Anarchie auf dem Wasser. Nachts knallen die Motorboote blind durch die Dunkelheit. Keine Chance für Kanuten.

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