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Roadreport: Der Berlin-Kopenhagen-Radweg, 1. Teil

Die Brandenburg-Etappe

Zwei Städte, ein Radweg: Damit sind die beiden Enden der Skala klar vorgegeben. Und auch wenn Großstädte ja nun nicht unbedingt das Lieblingsterrain eines Tourenradlers sind, aber diese 600 Kilometer zwischen Berlin und Kopenhagen haben es in sich und bieten jede Menge von den Dingen, die sich ein Radwanderer wünscht; z.B. Kilometer, und jeder einzelne sieht anders aus.
Die ganze Sache kommt uns noch ein bisschen provisorisch vor, als der Radweg bereits 50 Kilometer nördlich von Berlin endet und Schilder zu einer Kahnfahrt einladen. Wir stehen unweit von Oranienburg an der Havel und fragen uns, wie das bloß weitergehen soll, wenn der Radweg bereits hier an so einem Flüsschen zur Sackgasse wird. Wir wollen nach Kopenhagen und zwischen hier und dort liegt neben einer Handvoll Flüsschen noch ein ganzes Meer.

Gute Einstimmung

Der Weg führt über ein Bauerngehöft vorbei an einem Imbiss hinunter ans Wasser. Fassungslos starren wir zum anderen Ufer hinüber, wo gerade die Fähre ablegt und zu uns herüber tuckert. Eigentlich kann das Ganze gut als erste Einstimmung gelten, denn bis Kopenhagen werden noch einige Fähren kommen, und nie wieder wird eine Überfahrt so kurz sein wie diese. Doch dieser Kahn hier ist kaum größer als das frühere Kaliber „Anka“, mit dem so viele Plaste-Ruderkähne getauft wurden. Ein mulmiges Gefühl lässt sich also nicht vermeiden, und wir stellen fest: Mit Gepäck bis Kopenhagen kann es auf so einem Kahn schnell eng werden.

Auszeit

Auf dem Weg nach Kopenhagen muss man aber nicht zwangsläufig die schwankenden Bretter der „Anka“ betreten. Wer zu viel Gepäck hat oder erst dann kommt, wenn der Fährmann bereits Feierabend hat, für den gibt es noch die längere Alternativstrecke über die nächste Brücke. Glücklicherweise, denn wie das wohl sonst wäre, wenn der Fährmann einmal Urlaub hat. Ob er den überhaupt braucht, kann ich nicht einschätzen. Die kurze Überfahrt über den Kanal verläuft gemütlich – Eine kleine Auszeit bevor wir das Schwimmvehikel mit biederem Markisen-Sonnenschutz verlassen und sich wieder Tagestouristen aus Berlin auf den Kahn drängeln. Berlin ist also noch nicht sehr fern.

Allererste Güte

Damit das sich aber ändert, gibt nun ein dunkler Streifen aus Asphalt die Richtung vor. Es ist Belag allererster Güte, der die Reifen zum Summen bringt. Dieses angenehme Geräusch begleitet von nun an lange Zeit unseren Weg, wie das Wasser, welches jetzt von beiden Seiten an den Radweg heranreicht: Links schlängelt sich die Schnelle Havel durch die grünen Weideflächen und rechts des Radweges führt der Vosskanal entlang. Dieser Abschnitt ist zugleich der Havel-Radweg und verläuft mitunter so knapp an der Kanalböschung, dass einem zwangsläufig Gedanken daran kommen, was wohl passieren würde, wenn man einmal nicht aufmerksam wäre oder ausweichen müsste und dabei vom Weg abkommen würde. In so einem Fall ständen die Chancen nicht schlecht, beim Wassern noch von einem der Sportboote gerammt zu werden oder gar auf eines der gepflegten Oberdecks zu poltern, die sich hier wie zu einem langen fahrenden Steg auf dem Kanal aneinander reihen. Bei solchen Gedanken kann einem schnell schwindlig werden und man hält den Lenker automatisch etwas fester.

Industrie + Architektur = Kultur

Das Wasser weitet sich nun immer wieder zu Seen aus. Keine Überraschung, denn wer zur Ostsee will, muss durch Mecklenburg. Doch schon bevor man Brandenburgs Grenzen erreicht hat, begegnen einem Seen. Besondere ihrer Art sind die Ton-Seen hinter Zehdenick, ein Überbleibsel der einst regen Ziegelmanufakturen. Es sind ehemalige Tongruben, wo einst der Lehm abgebaut wurde. Geformt und gebrannt wurden die Ziegel von dort mit Kähnen – daher eben auch diese Vielzahl an Kanälen – bis nach Berlin geschifft. Die ehemaligen Brennöfen wurden hier und da zu musealen Highlights umfunktioniert. Noch nicht einmal aus Brandenburg heraus, wird da der Kopenhagen-Trip zum echten Industrie-Architektur-Kultur-Happening. Also darf es auch nicht wundern, dass sich hier draußen immer noch so viele Sonntagsradler aus Berlin tummeln.

Alles möglich

Doch das Terrain gehört zunehmend den Langstreckenradlern. Trotz voller Busse, die Erlebnis-Touristen hierher karren, sind sie in dieser Gegend nicht schlecht dran. In Branden- und Mecklenburg ist alles möglich: Ob Biwak, Pension oder Zeltplatz, überall ist man bestens auf Radfahrer eingestellt. Das macht den Abschied von Berlin komfortabel. Ab jetzt heißt das Ziel nun wirklich Kopenhagen.

B-K-Radweg/Teil 2 – Die Mecklenburg-Etappe
B-K-Radweg/Teil 3 – Die Nord-Etappe

Streckeninfos

Roadshow
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Empfohlene Literatur mit detaillierten Kartenausschnitten: Radfernweg Berlin-Kopenhagen, 1:75.000, 650 km, GPS-Tracks-Download, wetterfest/reißfest

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