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Roadreport: Der Oder-Havel-Radweg

Update einer Ost-West-Verbindung

oder-havel-radweg
Der Name verrät es bereits, dieser Radweg hat was mit Oder und Havel zu tun; zwei Flüsse, die jedoch nicht zwangsläufig etwas miteinander zu tun haben.Die Oder mündet in der Ostsee und die Havel in der Elbe und diese bekanntlich in der Nordsee. Aber es gibt den gleichnamigen Kanal und eben an diesem führt dieser Radweg entlang.

Kein Fernradweg

Der Oder-Havel-Radweg ist mit seinen 63 Kilometern kein Fernradweg. Er verläuft zwischen Hohensaaten und Liebenwalde entlang des neueren Oder-Havel- und des alten Finow-Kanals – der ist in seiner ältesten Ausführung bereits 400 Jahre alt. Diese 63 Kilometer in Ost-West-Richtung verleihen diesem Radweg aber besondere Bedeutung innerhalb des deutschen Fernradwegenetzes, denn sie schaffen eine Verbindung zwischen Oder und Havel und damit zugleich ein Verbindung zwischen dem Oder-Neiße und dem Havel-Radweg; und Ortskundige werden es bereits wissen, der Havel-Radweg verläuft dort auf der übernationalen Nordroute schlechthin, dem Berlin-Kopenhagen-Radweg.

Bedeutungsvolle 63 Kilometer

Der Einstieg in diese bedeutungsvollen 63 Kilometer beginnt etwas unbequem. Die Passage zwischen Hohensaaten und Niederfinow verläuft zwar sehr schön auf alten Deichen, aber dort kann es auf weiten Strecken wegen stark verwitterten Asphalts ziemlich poltern, wenn man mit Gepäck unterwegs ist. Dann führt der Weg vorbei am Schiffshebewerk Niederfinow – eines der wenigen seiner Art in Europa – und durch Eberswalde. Zugegeben: Wer aus der Einsamkeit des Oder-Neiße-Gebiets oder aus den stillen Orten oder dörflichen Kleinstädten entlang des Havel-Radwegs kommt, dem kann allein die Vorstellung einer nahenden Stadt Unbehagen bereiten. Doch selten radelt man so bequem durch eine Stadt solchen Kalibers, wie es Eberswalde ist. Der Oder-Havel-Radweg führt als grüne Route mitten durch die Stadt, ohne dabei vom Wasser zu weichen, und der glatte Asphalt führt dabei mitunter knapp an der Wasserkante des Kanals entlang – ein Glanzstück städteplanerischer Radwegeführung.

Der Weg am Langen Trödel

Mitunter könnte es irritieren, dass der Radweg nun teilweise auch als Treidel-Radweg bezeichnet wird. Doch die Route stimmt, denn der Grund dafür ist, dass der Radweg zwischen Schiffshebewerk/Niederfinow und Liebenwalde dem alten Treidelweg entlang des Finow-Kanals und des Langen Trödels folgt. Der Lange Trödel ist übrigens das stillgelegte Pendant zum Finow-Kanal, nur dass es im 18. Jahrhundert mal ein Update gab.

Neuerdings hat sich hier wieder einiges getan. So wurde die historische Wasserstraße mit dem Langen Trödel und den alten Schleusen in den letzten Jahren reaktiviert und wieder in Betrieb genommen. Und aus gutem Grund wurden die Wasserwege wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt, in dem sie noch vor wenigen Jahren schlummerten. Der Wassertourismus hat hier seitdem stark angezogen.

Vom Treideln und Trödeln

Auch das Treideln und das Trödeln kommen nicht von ungefähr. Schließlich bewegt man sich hier entlang einer der traditionellen deutschen Schifffahrtsrouten. Das Finow-Maß war lange Zeit ein wahrhaft maßgeblicher Standard im deutschen Schifffahrtsbau. Ein Kahn, der in die Finow-Schleusen passte, der hatte Format. Treideln und Trödeln waren hier also einmal Gang und Gebe gewesen. Für den heutigen Radweg passt das eher weniger. Beinahe die gesamte Strecke ist gut asphaltiert und der überwiegende Teil verläuft auf separaten Radwegen oder in verkehrsberuhigten Zonen. 63 Kilometer in 3 Stunden sind theoretisch drin, doch ein Hinweis: praktisch gibt es auch ein paar Anstiege bis Niederfinow zum Schiffsfahrstuhl.

Erst Wald, dann Weite

Auf dem letzten Stück des Weges im Wald zwischen Zerpenschleuse und Liebenwalde trifft man auf eine Anhöhe, die wie aus dem Nichts plötzlich neben dem Radweg auftaucht. Erst auf den zweiten Blick ist die imposante Außenböschung einer Kanaltrasse zu erkennen. Es ist der neuzeitliche Oder-Havel-Kanal, der heute den ganz dicken Kähnen das Ost-West-Tor öffnet. Der Radfahrer – auch so eine neuzeitliche Erscheinung – erreicht in Liebenwalde das Ende des Waldes. Der Blick kann jetzt wieder schweifen auf eine weite Fläche mit dem Vosskanal und den Wiesen der Schnellen Havel – auch so eine alte Landschaft, wie sie vermutlich schon die ersten Schiffer hier gesehen haben.

Streckeninfos

Anschluss:
Oder-Neiße-Radweg bei Hohensaaten
Berlin-Kopenhagen-Radweg bei Liebenwalde

  1. […] eine Verbindung zur Havel erhielt. Am Ortseingang geht über eine etwas versteckte Nebenstraße der Oder-Havel-Radweg ab, der den Oder-Neiße-Radweg mit dem Havel- und Berlin-Kopenhagen-Radweg verbindet. Das Zentrum […]

    Oder-Neiße-Radweg, 17. Etappe: - roadreport on November 2nd, 2009 at 13:29

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