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Flussreport: Die Mysla (Mietzel)

Kleinod mit Charakter

myslaDie Mysla/Mietzel ist ein knapp 100 Kilometer langes Flüsschen in Westpolen, das in der Gegend um Lipiany und Mysliborz entspringend, mit seinem naturbelassenen Oberlauf träge fließend eine Reihe von Schilfseen verbindet.

Mit ihrem nur wenig breiteren Mittel- und Unterlauf durchstreift sie mit gemütlicher Geschwindigkeit die abenteuerliche Wildnis der Neumark, bevor sie sich in einem furiosen Finale fröhlich-flott durch beweidete Wiesen hindurch zur ungleich größeren Oder davonstiehlt.

Strapaziös und naturbelassen

Doch bis dahin hat sich der Paddler zu einer regelrecht strapaziösen Wasserfahrt entschlossen. Strapaziös deswegen, weil sich der mittlere Flussverlauf ebenfalls durch vollkommene Naturbelassenheit in Form von ausgeprägten Verschilfungen und wucherndem Weidendickicht auszeichnet. Hinzu kommen unzählige Baumhindernisse, die in ihrer Schwierigkeit von „komfortabel zu Umfahren“ bis hin zu „umständlich zu Umtragen“ reichen. Doch als wäre dies nicht genug an Barrieren, gesellen sich zu solchen natürlichen Hindernissen noch einige künstliche Hindernisse in Form alter Mühlenwehre und Wasserkraftwerke im Unterlauf des Flüsschens. Sie alle nötigen ausnahmslos zum Umtragen von Boot und Gepäck und das anliegende Terrain ist dafür zum Teil nur wenig geeignet.

Lieber vegetarisch

Eine Behinderung ganz anderer Art stellt eine große Gänsezuchtfarm mit direkter Wasseranbindung dar. Hier wird der naturnahe Flusslauf empfindlich durch streckenweise erhebliche Verschmutzungen des eigentlich klaren Wassers gestört. Beim Anblick der kranken Tiere und Kadaver wird man leicht zum Vegetarier.

Schwierig und grausam

Aber der Natur- und Wildnisfreund, den diese ganze Reihe von Schwierig- und Grausamkeiten nicht von einer Wanderung auf der Mysla abhalten können, der wird durch einzigartige Eindrücke auf dieser Reise belohnt werden. Mit der Befahrung der Mysla kann der Wasserwanderer eine der seltenen Möglichkeiten wahrnehmen, sich von polnischer Seite aus bis zur Mündung in die Oder auf einem kleinen, wilden, naturnahen und unregulierten Flüsschen Richtung Deutschland zu bewegen, wobei die Breite des Flussbetts nur selten über zehn Meter reicht. Diese Fahrt kann auch auf der Oder fortgesetzt und schon im Hafen von Kienitz (3 km) oder Groß Neuendorf (6 km) auf deutschem Staatsgebiet beendet werden.

Reizvolle Kontraste

In dieser Kombination vereint das Erlebnis-Spektrum dieser Tour die reizvollen Kontraste vom abenteuerlichen Befahren eines kleinen Wald- und Wiesenflusses mit denen vom gemächlichen Wasserwandern auf einem breiten Strom. Auf dieser Strecke bietet die Mysla eine Vielzahl von angenehmen Zeltmöglichkeiten auf freier Flur und die wenigen direkt am Fluss liegenden Ortschaften besitzen alle ausreichende und leicht zu erreichende Einkaufsmöglichkeiten.

Zwischen den Hügeln der Neumark

Abgesehen von diesen wenigen Vorzügen der Zivilisation bedeutet die Mysla aber in erster Linie ein intensives Naturerlebnis, wobei der stark mäandernde Flussverlauf eine Vielzahl verschiedener Landschaftstypen durchstreift. Die Seen und verschilften Ufer des Oberlaufs werden von dichten Laub- und Nadelwäldern im Mittellauf abgelöst. Das Dämmerlicht des Waldes wird immer wieder durch Wiesen und Weideflächen mit einigen flachen Uferabschnitten aufgehellt, die den Blick über weite Moorflächen freigeben. Mit den unterschiedlichen Landschaftstypen wechselt auch die Beschaffenheit der Flussrinne häufig. So gibt es die hohen Steilufer, wo sich der Fluss durch die Hügel der Neumark gegraben hat und das enge Fahrwasser ans sandige Ufer prallt. Auf der Innenseite der Mäander wiederum runden die kantigen Baumwurzelufer und weitläufigen Verästelungen in den Waldmooren und Sümpfen der alten Auwaldreste das Bild der Mysla ab.

Einsame Erstbefahrung

Letztendlich ist es aber auch der Aspekt des Tourismus selbst, der einen wesentlichen Reiz dieses Flüsschen ausmacht, denn er ist quasi nicht vorhanden. Bisher ist die Mysla so unerschlossen und unbefahren, dass dem Paddler hier nur sehr wenige bis gar keine anderen Kanuten begegnen. Damit hat eine Wasserwanderung auf der Mysla viel eher den Flair einer einsamen Erstbefahrung, wo man schnell die Nähe zu Deutschland vergisst.

Nur bedingt komfortabel

Damit dies möglichst auch so bleibt und letztendlich auch in Rechenschaft zum natürlichen Uferbewuchs ist für die Mysla eine Höchstzahl von vier Booten zu empfehlen. Größere Gruppen hätten für beide Seiten, Natur und Mensch, nur wenig Sinn, denn Bootskarambolagen im wilden Dickicht haben wenig Vorteile. Die Mysla als Paddelrevier auf gesamter Länge, sollte daher auch nur von kleinen strapazierfähigen Teams als dieses Verstanden werden, denn für gewöhnlich ist die Mysla lediglich für bedingt komfortable Tagestouren zu empfehlen.

Zum Gewässerexposé

  1. [...] Zum Flussreport [...]

    Die Mysla (Mietzel) - roadreport on Juni 8th, 2009 at 11:53
  2. [...] Zum Flussreport [...]

    Die Oder (Odra) - roadreport on September 7th, 2009 at 17:48

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