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Flussreport: Die Ohře (Eger)

Ein Tschechischer Wildfluss

Ohre Eger bei LounyDieser Fluss ist ein tschechisches Original. Er fließt durch ein spannendes Tal, ist beeindruckend facettenreich und hat komplexe Strömungsmuster. Und wer seine ersten Erfahrungen mit Wildwasser und abwechslungsreichem Wasserwandern machen möchte, der ist hier genau richtig und kann auf der Eger seine erste Paddelschläge üben.
Alles beginnt im Bayerischen Wald auf deutsch-bayerischem Gebiet. Von dort fließt die Eger nach Tschechien und entwässert die südliche Abdachung des Erzgebirges. Sie fließt am Fuße der Berge durch das idyllische Tal zwischen Erzgebirge und Duppauer Gebirge.
Grob lässt sich die Eger in drei Abschnitte gliedern. Der obere Abschnitt reicht von der Quelle bis oberhalb von Cheb (Eger), wo die erste Stauung folgt. Von da an beginnt der mittlere Flusslauf mit den Stauungen bis zum Ende des Stausees vor Zastac. Dann folgt der untere Verlauf mit einer vom letzten Stausee gespeisten Forellenflussstrecke.

Verkehrte Welt

Von diesem letzten Stausee wird nämlich kaltes, glasklares Wasser vom Seegrund ins Flussbett geleitet. Dieses Wasser ist kalt und klar, was den gesamten Charakter des Flusses noch einmal auf den Kopf stellt. Im Unterlauf wirkt der Fluss durch das frische Wasser noch einmal wie ein wilder Bergfluss im Oberlauf.‬‬

Der sinnvollerweise befahrbare Bereich beginnt unterhalb von Cheb, wo die erste Stauung hinter einem liegt. Ab hier gibt der Fluss jedem Neuling auf den ersten Kilometern genügend Zeit, sich auf das Paddeln einzustellen, bevor die ersten kniffligen Passagen beginnen, wo man bereits etwas Wildwasser-Ausdauer aufbringen muss. Allerdings bleibt das überschaubar. Zwischen Kynsperk und Loket gibt es nur stellenweise kürzere Wildwasserpassagen.

Biertränken und Wehranlagen

Stattdessen sind dort viele Zahmwasserabschnitte, die es auch Anfängern erlauben, sich allmählich auf den Fluss einzustellen. Dementsprechend hat man sich in diesem Flussabschnitt auf den Tourismus eingestellt. Bereits unterhalb von Cheb beginnen die vielen Campingplätze und Biertränken mit Imbiss am Fluss. Wehranlagen wurden ausgebaut und serienmäßig mit Bootsrutschen ausgestattet.‬ Auf diesem touristisch gut erschlossenen Abschnitt sind heutzutage auch die meisten Kanuten unterwegs.‬

Normaler Saisonbeginn ist ab den 1. Juni. Viele Campingplätze haben aber schon vorher geöffnet. Und es lohnt sich durchaus, vor dem Saisonstart zu kommen, denn die Tschechen paddeln gerne und das Land zieht ebenso viele Paddler aus den Nachbarländern an.
Der abwechslungsreichste und spannendste Abschnitt folgt dann zwischen Loket und Straż nad Ôhre. Auf diesem knapp 80 Kilometer langen Abschnitt gibt es häufige Wechsel zwischen Zahmwasser und Wildwasser bis WW II. Als gemütliche Zeit kann man für diesen Abschnitt eine 4-Tagestour ansetzen. Geübte Paddler können für diese Passage zwei Tage planen.

Teilweise eine echte Flusswanderung

Doch der touristisch verträgliche Paddelspaß ist nicht durchgängig und die Reise auf der Eger wird stellenweise zu einer echten Flusswanderung mit dementsprechenden Strapazen. Auch wenn die meisten neuralgischen Stellen mit Wehren und Umtragungen gut für Wasserwanderer ausgebaut sind, so gibt es nicht überall eine Bootsrutsche. Und viel bleibt vom vorherrschenden Wasserstand abhängig. Gerade bei Niedrigwasser kann es da manchmal eng im Flussbett der Eger werden.

Stabile Wasserverhältnisse

Nach Kadan kommt der erste Stausee und die Wasserverhältnisse werden stabiler. Hier wird der Flusslauf zunehmend breiter und durch mehrere Wehre angestaut. Zuletzt wird der Fluss zu einem breiten See, wo sich schnell Winde, die über die Berge kommen, über das Wasser legen und beträchtlichen Wellengang erzeugen können.

Darum ist die Weiterfahrt flussabwärts engagierten Paddlern vorenthalten, die beispielsweise eine Weiterfahrt bis zur Mündung oder auf der Elbe planen. Nach Klasterec nad Ôhre gilt es mehrere große Stauwerke und einen Stausee zu passieren, bevor der Fluss unterhalb des Stausees Nechranice wieder die Gestalt eines Wildflusses annimmt. Ebenso nehmen die Möglichkeiten an versorgten Nachtlagerplätzen entlang des Flusses unterhalb des Stausees ab. Wildzelten ist dann die notwendige Devise.

Nicht bis ins Detail für Wasserwanderer ausgebaut

Dafür wird man unterhalb des Stausees Nechranice mit einem kalten Wasser-Forellen Fluss belohnt. Das kalte Wasser dafür wird durch einen Ablass am Seegrund erreicht, So folgt bis Zatec ein unvergleichlicher Abschnitt mit Fliegenfischern, kristallklarem Wasser und vielen Fischen. Das wirkt verboten schön, weil man immer den Eindruck hat, durch ein Naturschutzgebiet zu paddeln.

Aber auch hier geht es mit guter Wehrdichte weiter. Es ist immer was zu tun. Und anders als im Mittellauf ist hier nicht alles bis ins Detail für Wasseranderer ausgebaut. Keine Bootsrutschen und nur noch selten Imbisse am Wasser. Dafür wird man mit Einsamkeit auf einem immer noch schönen Fluss belohnt.

Festung gegen Preußen

Ab Louny wird das Wasser jedoch leider wieder brackig.‬ Und‬ das bleibt es dann auch überwiegend bis zur Elbe so. Die Wehre bleiben hingegen durchgängig erhalten. Und in Terezin (Theresienstadt) nur wenige Kilometer vor der Mündung in die Elbe wird es dann noch einmal richtig anstrengend. Die Eger durchfließt die Stadt, und die alte Festungsstadt hat sich ihren Fluss richtig einverleibt. Die gesamte Stadt besteht aus Festungsanlagen, wo der Fluss von steilen Uferwänden aus Mauerwerk eingefasst ist. Man wollte ja nicht, dass Preußens Regimenter lustig auf dem Wasser in die Festung einreisen konnten. Und das bekommen nun auch die Paddler zu spüren.

Das wäre ja alles halb so schlimm. Dann müsste man eben ohne Zwischenstopp weiterpaddeln. Doch mitten im Stadtgebiet gibt es ein Wehr, welches unbefahrbar ist. Das zwingt faktisch dazu, bereits weit oberhalb am Eingang zur Festung anzulanden und die Boote auf dem gesamten Stadtgebiet zu umtragen. Das ergibt eine ca. zwei Kilometer lange Portage der Boote, die wenigstens mit ein paar Blicken auf die Festungsanlagen belohnt wird, die einem sonst verborgen geblieben wären.

Welt offen

Mit diesen schönen Eindrücken kann man dann nach einer anstrengenden Umtragung unterhalb der Stadt wieder einsetzen, und die letzten drei Kilometer auf der Eger ohne weitere Zwischenfälle ausruhen und den Eindrücken der beeindruckenden Festungsstadt nachschwelgen, bevor die Reise an der Mündung in die Elbe gegenüber von Litomerice (Leitmeritz) einem fulminanten Höhepunkt erreicht. Von hier steht einem die Welt offen. Die Elbe flussabwärts folgen nur noch zwei künstliche Staustufen mit Schleuse, bevor die Elbe frei fließend nach Norden entschwindet. Die Reise auf der Eger ist hier zwar zu Ende, doch die Reise in die neue Ferne noch ganz jung.

Mehr Informationen zum Fluss – Gewässerexposé

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