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Flussreport: Die Warta (Warthe)

Wasserwandern für Kilometerfresser

warthe-bei-santokDie Warthe ist seit der aufkommenden Transportschifffahrt in Polen und Preußen der Fluss gewesen, der im mitteleuropäischen Wasserstraßennetz eine verlässliche Ost-West-Verbindung bot.

Unter diesem Aspekt betrachtet, ist die Warthe bis in die Gegenwart für jene Wasserwanderer interessant, die das zentrale europäische Binnenland bereisen möchten. Doch gerade im Oberlauf gilt die Warthe bis Lubon als sehr tückisch für jede Form von Schifffahrt. Das größte Problem bereiten periodische Untiefen und vom Wasserstand bestimmte Hindernisse. Trotz solcher Widrigkeiten gilt die Warthe ab Konin bei Kilometer 407 als schiffbar für das professionelle Transportwesen.

Trockenzeit

Die Schiffer hatten sich einst mehr oder weniger gut auf derartige Schwierigkeiten einstellen können. Für die gegenwärtige Schifffahrt ist die Warthe jedoch trotz der günstigen Ost-West-Verbindung der mitteleuropäischen Wasserstraßen uninteressant geworden, seitdem die Schiffe größer und schwerer sind. Die großen Kähne benötigen eine gleichmäßig tiefe Fahrrinne. Die Warthe, obwohl an ihrer Mündung bei Küstrin länger als die Oder bis dorthin, kann einen derartigen Komfort nicht bieten, da der größte Teil ihres Einzugsgebiet im verhältnismäßig trockenen Tiefland von Zentralpolen liegt und die daraus resultierende Abflussmenge für einen derartigen Schiffverkehr im Jahresmittel nicht ausreichend ist.

Schifffahrt im Abseits

In der Folge ist die Warthe in ein schifffahrtstechnisches Abseits geraten und die Schifffahrt hat sich fast gänzlich von der Warthe zurückgezogen. Im Allgemeinen tuckern auch nur noch wenige Kähne auf der Oder stromauf- und stromabwärts, und das eines der Transportschiffe bei Küstrin in die Warthe abbiegt, kommt nur noch sehr selten vor. Allenfalls gibt es ein paar Freizeitskipper mit leichten Booten, die dieses Wagnis eingehen und darauf bestehen, dass die Warthe zur Hälfte schiffbar ist.

Geheimtipp

Dem Fluss, von neueren Ausbaumaßnahmen bisher verschont, hat diese Ruhe nicht geschadet. An seinen Ufern hat sich ein breiter Korridor aus Natur und Kulturlandschaften bewahren können. Als Wasserwanderroute ist die Warthe dadurch zu einem echten Geheimtipp avanciert, der recht ungewöhnliche Eigenschaften miteinander vereint: große Flusslandschaften in der zentralpolnischen Ebene mit wenig Verkehr und kaum vorhandener Transportschifffahrt und urbane Metropolen, umgeben von abgelegenem Terrain.

Paddelrevier voller Möglichkeiten

Als verwaiste Schifffahrtsstraße bietet die Warthe ein immenses Paddelrevier ohne größere Hindernisse und bietet zudem weiterhin die komfortablen Anschlussmöglichkeiten an alle Flusssysteme Zentralpolens. So gibt es zwei Kanalverbindungen, die eine Weiterfahrt zur Weichsel und damit in alle ostpolnischen Gebiete erlauben. Beide Kanalsysteme nutzen die Netze. Bei Konin gibt es eine Verbindung über mehrere Seen in den Oberlauf der Netze und im Unterlauf der Warthe mündet bei Santok die Netze, die über den Bromberger Kanal mit Bydgoszcz / Bromberg verbunden ist. Das bietet einen faktisch uneingeschränkten Freiraum für Rekordwasserwanderungen, den bereits viele Segeljollenreisende nutzen. Heute ist auf der Warthe der Weg frei für Langstreckenpaddler und alle sonstigen Wasserwandernden, die ein paar Sommerwochen voller Möglichkeiten suchen.

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