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44. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 8: Tag auf der Oder

Als wir die Boote nach Essbarem durchsuchen, wird uns klar, wie passgenau wir für diese Woche geplant haben. Wir essen die Reste, die in den Luken zu finden sind.Selbst das dünne Ketchup, das wir in Sagan nachgekauft haben, klecksen wir uns auf die Brote. Es ist kein Festschmaus, aber die Notreserven reichen aus, uns satt zu machen. Als wir daraufhin zufrieden in der Sonne dösen, zieht ein Sonntagskanupärchen mit buntem Glasfaserkajak an uns vorüber und mahnt uns zur Weiterfahrt.

Wasser zu Wüste

Der weitere Tag verläuft fast ausschließlich auf dem Wasser. Es bleibt heiß und ein blauer Himmel über uns verwandelt die glatte Wasserfläche zu einer schattenlosen Wüste. Das bunte Kanu holen wir bald wieder ein, doch unsere Arme sind nun lang geworden. Dagegen hilft nur Weiterpaddeln, bis das Ziehen in den Schultern und die Rückenschmerzen von der Anstrengung betäubt sind.

Vorwärtskommen

Wir wollen vor dem Sonnenuntergang unbedingt Frankfurt/Oder erreichen, wo wir mit Manfred, dem Mann, der uns überall rausholt – und auch reinbringt – verabredet sind. Er hat uns auch vor über einer Woche in der schlesischen Wildnis an dem schmalen, wilden Gewässer abgesetzt, das nun zu einem breiten Strom geworden ist. Die entfernten Ufer und das monotone Flachland verraten nur wenig über unser Vorwärtskommen. Wir orientieren uns an den Schifffahrtskilometerzeichen, von denen wir bald fünfzig hinter uns gelassen haben.

Auf einem See reisen

Manchmal verschaffen wir uns einen Eindruck von Geschwindigkeit, indem wir nah an einer der roten oder grünen Bojen vorbeipaddeln. Dann scheint es uns so, als wären wir rasend schnell unterwegs, und die Strömung gluckst laut und schwappt an unsere Boote. Die meiste Zeit aber ziehen in der Ferne karge Ufer an uns vorbei, wo sich schwerfällig Wald und Wiese abwechseln. Nah am Fluss stehen hin und wieder schnellwachsende Weichhölzer, wie hohe Pappeln und von Bibern angefressene Weiden, die auf Dauer aber kaum Abwechslung bieten können. Mehrmals meinen wir, auf einem See zu reisen.

Sommeridylle aus Kinderbüchern

Das macht Lust auf Baden. Am späten Nachmittag legen wir kurzerhand an einem der zahllosen, hellen, von Weiden eingefassten Strände an. Dort finden wir die Sommeridylle, die schon in Kinderbüchern beschrieben wurde. Wir rennen auf butterweichem Sand ins Wasser und stürzen uns in die lauwarme Oder. Als wir wieder auftauchen, fühlen wir die Sonne auf uns brennen, die in den Wasserperlen auf unserer Haut glitzert.

Kilometer sammeln

Zwischen Weiden hindurch sehen wir nebenan in einer Bucht eine junge Familie mit Kindern, die auf der Wiese döst. Dahinter zieht sich der Oderdamm entlang, auf dem sich schwitzende Radfahrer den Oder-Neiße-Radweg herunterkämpfen. Bei diesem Anblick fühlen wir uns mit unseren Booten nicht schlecht beraten. Das ermutigt uns dazu, bald wieder in die Boote zu steigen und weiter Kilometer zu sammeln.

Am Horizont ein Ende

Schon drückt die Zeit. Wir sind nicht mehr sicher, ob wir noch rechtzeitig die ehemalige Hansestadt erreichen werden. Deswegen drehen wir nun im letzten Tagesdrittel noch einmal richtig auf. Unseren Gesichtern sieht man es aber an, dass wir es als durchaus passender empfinden, zu dieser Tageszeit einen geeigneten Lagerplatz auszukundschaften, von denen sich hier in jeder zweiten Bucht eines der schönsten Exemplare anbietet. Doch unsere Zeit läuft für dieses Mal ab und es heißt, hart bleiben und mit kräftigen Schlägen dem Ende dieser Tour entgegen paddeln. Dort wo die Sonne sich zum Horizont senkt, da muss es sein, das Ende.

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