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43. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 8: Tag auf der Oder

Auf endlos breiten Wasserflächen erreichen wir eine riesige Betonbrücke, die sich mit ausladenden Bögen über die Flusswiesen bis an das Ufer schwingt. Dort endet sie abrupt im Leeren und abgerissene Betonstümpfe schauen auf uns herab.Einst muss diese Brücke eine wichtige Ost-West-Verbindung gewesen sein, wie es hier wahrscheinlich jede Brücke einmal war.

Schattenmuster

Im letzten Krieg wurden die Brücken gesprengt und hinterließen eine klaffende Leerstelle im geographischen Gefüge der Landschaft. Heute können solche zerstörten Brücken nur noch ein Sinnbild für die schwierige Verständigung über den Fluss hinweg sein. Die Oder ist breiter als ein paar hundert Meter und solche Brücken verbinden lediglich unterschiedliche Zeiten miteinander, die nie zusammenfinden werden. Zwei Ufer verbindet der Betonkoloss schon lange nicht mehr miteinander, und an diesem Nachmittag sieht man in der Sonne deutlich die Risse seines gebrochenen Rückgrats und unzählige Einschusslöcher, die ein Schattenmuster auf dem kargen Beton bilden.

Siesta

Am linken Ufer ist plötzlich ein kleines Patrouillenboot zu erkennen. Es liegt versteckt in einer Bucht, jederzeit bereit einen Oderkahn anzulaufen. Doch mit unseren bescheidenen Paddelbooten können wir kein näheres Interesse erwecken und bis auf ein paar nachlässige Blicke durchs Fernrohr lassen sich die Grenzer von uns ihre Siesta nicht verderben. Auch ein Funkgespräch mit uns auf UKW 20 können wir nicht anbieten, und so schieben die Herren ihre Mützen noch tiefer ins Gesicht und dösen weiter auf dem Bootsdeck.

Schifferstädtchen

Nachdem wir nun behördlich gesichtet und erfasst sind und weiterpaddeln dürfen, fühlen wir uns auch dazu legitimiert, das deutsche Ufer anzulaufen. Das wollen wir bei der nächsten Gelegenheit auch tun, doch der anschließende Hafen von Fürstenberg an der Mündung vom Oder-Spree-Kanal ist uns zu städtisch für eine Mittagsrast. Menschlichen Trubel wollen wir vorerst noch meiden. Die Häuserfront zur Wasserseite macht einen urtümlichen Eindruck auf uns. Hier gibt es keine aufpolierten Fassaden eines Touristenörtchens. Alles zeigt sich in der Manier eines authentischen Schifferstädtchens, auch wenn es ruhig um den kleinen Hafen geworden ist.

Schornsteine

Für eine ungestörte Mittagsrast finden wir kurz hinter Fürstenberg in einer kleinen Bucht zwischen zwei Buhnen einen kleinen Sandstrand. Hinter dem nahen Deich recken sich inmitten wildwuchernder Natur zwei stillgelegte Schlote, umgeben von mageren Betonhallenskeletten, in die Höhe. Es ist eine neo-industrielle Architektur, die sich durch ihre überdimensionierten Ausmaße von allem unterscheidet, was wir zuvor in dieser Woche gesehen haben. Der Komplex ist still und verlassen und die nüchtern funktionalen Strukturen strahlen als Kontrast zur üppigen Natur etwas Geisterhaftes aus. Nur die nistenden Spatzen im löchrigen Beton der Schornsteine geben der Szenerie etwas Lebendiges.

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