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41. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 8: Tag auf der Oder

Die aufsteigende Sonne schickt ihre wärmenden Strahlen zur Erde. Die Oder liegt im Licht.Viadrus klopft uns auf die Schultern als wenn er sagen wolle: „Ihr habt es bis hierher an meine Ufer geschafft. Daher fühlt euch wohl und genießt diesen Tag in meinem Reich, den ich euch schenke.“

Ein Tag beginnt

Und was für ein Tag das ist! Der Morgen ist makellos. Hinter uns liegt eine hochgewachsene Wiese im gleißenden Sonnenlicht, eingerahmt von einem dahinter aufsteigenden Deich. Vor uns ist der glatte, weite Fluss und unser Zelt befindet sich noch im angenehm kühlen Halbschatten der Weiden.

Nichts Trauriges

Als wir die Zeltplane zur Seite schlagen, sehen wir als erstes einen Angler am gegenüberlegenden Ufer auf einem schmalen Landstreifen, der in den Zusammenfluss beider Flüsse ragt. Davor strömt das letzte Stück jenes Flusses, auf dem wir bis hierhin gereist sind, und vermischt sein Wasser mit dem der Oder aus den fernen Mährischen Höhen. Der Bober verliert sich darin, doch es hat nichts Trauriges. Vielmehr ist es ein erhabener und mit nichts vergleichbarer Anblick, wie beide zusammen als schier unendlicher Silberschleier an unserem kleinen Lager vorbeiziehen.

Am Ende ein Anfang

Am Ende ist ein Anfang, und das eine fließt in das andere und alles geht ineinander über. Trotzdem erfasst uns ein Hauch von Wehmut. Der Bober ist hier an seiner Mündung zurückhaltend und bescheiden; keine großen Sensationen mehr. Sein Wasser gehört jetzt schon ganz der Oder und erzählt nur noch leise von den Abenteuern an seinem Lauf – Wir haben sie gesehen.

Abschied

Die zwiespältige Stimmung verflüchtigt sich während des Frühstücks. Ein großartiger Tag mit dem Wohlgeschmack von etwas Neuem breitet sich vor uns aus, und selbst Nutella ist noch da. Als alles getrocknet ist, bepacken wir die Boote. Ein letztes Mal am Bober sitzen; dabei opfere ich ihm zum Dank meinen letzten Schluck Tee. Der Abschied naht.

Loslassen

Kein Windhauch berührt an diesem Vormittag die Wasserfläche. Sie breitet sich glatt wie ein Spiegel vor uns aus und strahlt im tiefsten Blau des Himmels. Nur die mächtige Strömung wirbelt hier und dort die Oberfläche auf. Dieser Tag würde der letzte auf dieser Reise sein. Es ist an der Zeit loszulassen. Nichts scheint uns jetzt noch für die Fahrt nach Hause im Wege zu stehen. Unsere Boote schieben sich wie von alleine auf den breiten Fluss und werden sofort von der Strömung erfasst. Ein letzter Blick auf die Mündung, wo wir eine Woche voller Schlesischer Abenteuer zurücklassen. Doch hinter uns liegt mehr als das – es war ein anderes Leben. Der Abstand wird schnell größer und unsere Blicke wenden sich endgültig nach vorne.

Nicht mehr Schlesien

Das weite Land um uns herum gehört nicht mehr zu Schlesien. Wegen des breiten Flussbettes und der fernen Ufer bemerken wir nicht, wie schnell wir unterwegs sind. Es ist noch etwas ungewohnt für mich, hinten im fülligen Zweier zu sitzen. Heute hat sich erstmals jemand anderes dazu bereit erklärt, den Einer zu übernehmen. Mark genießt es sichtlich, unbeschwert hin und her paddelnd über den Fluss zu gleiten. Wir selbst kommen uns dagegen etwas schwerfällig vor. Scheinbar nur langsam zieht das Land an uns vorüber. Das rechte Ufer ist versteppt oder waldig und von dünenartigen Hügeln durchsetzt, die bis nah ans Wasser heranreichen. Am linken Ufer stehen Weiden, hinter denen sich, von Schilfwänden versteckt, feuchtes Flachland ausdehnt, welches kaum höher als der Wasserspiegel liegt.

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