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38. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 7: Die Pforte

Beim Umtragen sind wir gezwungen, den steilen Abstieg über einen kleinen Bach zu nehmen. Beim Boottragen rutscht Mark auf den klitschigen Steinen aus und… er bleibt Bademeister!Da können wir ihm gratulieren; vor allem, weil er sich im klobigen Bachbett nicht den Steiß verbogen hat, denn mit diesem spektakulären Sturz auf den letzten Metern vor der Mündung hat Mark zweifellos seinen riskantesten Stunt der Woche hingelegt.

Erkundungen

Wohlbehalten unten am Fluss angekommen, legen wir die Boote auf einem Feldweg ab. Im Alleingang unternehme ich eine kleine Erkundungstour stromabwärts, um in Erfahrung zu bringen, wie die Stromschnellen stromabwärts einzuschätzen sind, die schon mit furchteinflössendem Getöse auf sich aufmerksam machen. Sie sind so laut, dass ich erst einmal wenig Hoffnung habe. Mein Weg führt an ganzen Anglergemeinschaften vorbei und unter einer alten Eisenbahnbrücke hindurch. Das Land um mich herum ist wild, buschig und verwachsen.

Geheimnisse

Im glühenden Abendlicht entfaltet das Auenland einen Reiz, dem man sich kaum entziehen kann. Alles ist spannend und verwunschen. Jedes Ding scheint ein Geheimnis aufzubewahren. Weiter abgelegen, bemerke ich zahlreiche Jugendliche, die sich mit ihren Autos auf einer alten Betonfläche versammelt haben. Vermutlich sind das die alten Fundamente eines ehemaligen Stadtteils von Krossen, der durch Krieg und Zeit hier versunken ist. Als ich das begreife und um mich herum immer neue Bruchstücke einer vergangenen Siedlung zu erkennen meine, gesellt sich zum abendlichen Flussauenzauber noch eine unruhestiftende Neugier, wie sie vermutlich jene rastlose Archäologen befällt, die sich einer Entdeckung zufolge auf geschichtsträchtigem Boden wähnen.

Abendlichter

An den Sohlschwellen kann ich zu meiner Überraschung nichts Verdächtiges finden. Sie sind zwar schroff, aber scheinen befahrbar zu sein. Daher reift in mir der Entschluss zu einer letzten spektakulären Abfahrt vor der großen Ruhe des Oderflusses. Ich präge mir die verschiedenen Strömungsmuster ein. Wie abwesend kehre ich zurück. Ganz in mich gekehrt, bin ich auf dem Rückmarsch damit beschäftigt, kein Detail der Strömung zu vergessen. Die Angler wundern sich nun nicht mehr über mich. Sie angeln entweder weiter oder liebkosen ihre kleinen und großen Autos, mit denen sie scheinbar überall hinkommen. Das ist hier nicht anders als im übrigen Polen, wo die Menschen diese ganz besondere Art besitzen, mit ihren Fahrzeugen bis in den letzten Winkel der Natur vorzudringen. Aber sie lieben ihre Natur und ebenso wie ich verwunschene Flusslandschaften im Abendlicht.

Entscheidungen

Nach einer kurzen Besprechung entscheiden wir an Ort und Stelle einzusetzen und die vier Stromschnellen zu befahren. Sie sind alle vier sehr kabbelig und sehen wenig überschaubar aus, aber sie bilden nur an wenigen Stellen eine Walze. Wir besprechen kurz die Linie, die ich mir eingeprägt habe und vereinbaren, dass René und Mark mir im Zweier folgen. Ich würde ihnen gegebenenfalls die nötigen Handzeichen zuwerfen, um meine Linie für den Zweier zu korrigieren. Wir sind froh über diese Entscheidung und wollen nicht weiter über die Risiken dieser letzten Aktion nachdenken. Alle unsere Aufmerksamkeit richtet sich nur nach vorne flussabwärts. Unwiderstehlich lockt uns die Erwartung auf jenes erhebende Gefühl, dass wir mit diesem Wildwasser-Rodeo zum Abschied noch einmal etwas ganz Besonderes auf dem Bober erlebt haben, wenn wir heute Abend an der Mündung des Bobers lagern.

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Mehr über den Bober!

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