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37. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 7: Die Pforte

Ein alter, von der Zivilisation bedrängter Fluss liegt hinter uns. Vor uns breitet sich ein neues Bild aus.Der Bober entfaltet noch einmal seine ganze majestätische Größe. Er ist jetzt breit und glatt wie ein Strom, und alte Weiden ragen von seinen wurzelgesäumten Ufern ins Wasser.

Leblose Fassade

Wir bewegen uns in einer gewaltigen Flussrinne, die scheinbar strömungsfrei ist. Wir paddeln an den Wasserkraftwerksanlagen vorbei, die das Wasser links in den Fluss einspeisen, das sie zuvor dem Auwald geraubt haben. Das Kraftwerksgebäude ist groß und wirkt mit seinen hohen Fenstern kalt und überdimensioniert. Es ist ein typischer Bau der fortgeschrittenen Industrialisierung, der mit seinen glatten Backsteinwänden und der strengen Fugenstruktur in einer leblosen Fassade steckt.

Neue Brücken

Wir wenden den Blick nach vorne und erreichen eine große, neue Straßenbrücke, die den Beginn des Stausees markiert, der sich vor uns in einem breiten, herabsteigenden Tal ausbreitet. Am Horizont sind bereits die Höhen des Odertals bei Krossen zu erkennen, die sich dem Boberlauf entgegenstellen und sein Ende ankündigen. Uns weht eine leichte Brise um die Nase und das Wasser türmt sich zu kleinen Wellen auf. Es riecht frisch nach Feldern und Landwirtschaft, obschon die Ufer auf beiden Seiten schon weit zurückgewichen sind.

Ein verwegener Plan

Auf der weiten Wasserfläche vor uns sehen wir etwas Dunkles schwimmen. Es kann kein Treibholz sein, denn der Fleck bewegt sich vorwärts. Wir paddeln näher und erkennen einen Mink, der sich hektisch darum bemüht, uns davonzuschwimmen. Er schaut ängstlich zu unseren Booten. In seinen Augen ist Panik zu lesen und er versucht sich mit schnellem Strampeln vor uns zu retten. Aber er hat Glück, denn Mink gehört nicht auf unsere Speisekarte. Wir drehen bei und lassen ihn ziehen. Er wird schnell wieder zu dem dunklen, unscheinbaren Flecken auf dem Wasser, wie er sich das wohl auch vorgestellt hatte, als er sich an diesem Nachmittag zu dem verwegenen Plan hinreißen ließ, über den See zu schwimmen. Er wird wohl seine Gründe für diesen Wagemut haben und hätte sich wahrscheinlich nicht weniger über uns gewundert, wenn er erfahren hätte, was wir schon seit einer Woche auf dem Bober treiben.

Eingedeicht

Am unteren Ende des Sees pellt sich ein weiterer Industriebau aus dem Dunst. Es ist das letzte Wasserkraftwerk am Bober, wo der Mensch noch einmal den Fluss in einem gewaltigen Kraftakt durch Turbinen drängt. Zu diesem Zweck hat er diesen Staussee inmitten von Feldern angelegt. Die Ufer sind eingedeicht und sehen wenig spektakulär aus. Dahinter erstrecken sich weite Felder und die Stahlskelette alter Überlandleitungen führen darüber hinweg in die Ferne.

Die letzten Meter

Am halbrundförmigen Ende des Sees befindet sich die Wehrmauer. Wir legen rechts vom Durchlass an und steigen auf einen Erdwall. Dahinter liegt unten im Tiefland des Oderstromtals wieder ein richtiger Fluss. Es sind die letzten Meter vor seiner Mündung, wo sich der Bober, begleitet von einem Weidenspalier, noch einmal von seiner schönsten Seite zeigt.

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