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36. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 7: Die Pforte

Der Weg führt mich zwischen Gartenzäunen zurück ins freie Feld. Ein Hobbygärtner am Wegesrand nimmt nicht weiter Notiz von mir – trotz aller Abgeschiedenheit scheint man hier nicht sonderlich beeindruckt von landstreichenden Gestalten zu sein, die plötzlich übers Feld kommen und ebenso schnell wieder dort verschwinden.Ich schlendere noch um ein paar Sumpflöcher herum und stehe wieder am Fluss. Auch heute werde ich wieder mit einem fertigen Mittagsmahl aus der Dose empfangen. Trotzdem ist die Freude über frische Milch und die extragroße Vorratspackung Kakao groß und alles wird sogleich als willkommene Abwechslung ins Nahrungssortiment aufgenommen.

Freier Himmel

Flussabwärts regiert nun freier Himmel. Der enge Auwald liegt hinter uns und die Wolkenfelder haben sich zunehmend aufgelockert. Als wir die Boote an der Kuhtränke zwischen ein paar Felsen wieder ins Wasser schieben und ablegen, kommt die Sonne hervor, um für den weiteren Tag zu bleiben. Die nächste Flussbiegung führt in einem weiten Bogen um den Bergrücken herum, so dass wir den Auwald endgültig aus den Augen verlieren. Wir gleiten an den sanft aufsteigenden Flächen entlang und erkennen, dass das eben besuchte Dorf viel größer ist, als wir zuvor angenommen haben. Es folgt der Biegung in sanfter Hanglage.

Vermodertes Holz

Davon hatte ich auch bei meinem kurzen Einkaufsbesuch nichts geahnt, als ich auf stillen Sandwegen stand und das Dorfleben um mich herum schlummerte. Wir erreichen eine langgezogene Gerade, mit der sich der Fluss noch immer am Berghang entlang drückt. Links davon erstreckt sich zunehmend ebenes Land. Die letzten Staustufen sind nichts weiter als vermoderte Holzbarrieren, von denen uns jede einen Durchlass bietet. So kommen wir schnell voran. An den Ufern prangt ein letztes Mal der Hopfen mit prallen Dolden an den Bäumen.

Die letzte Staustufe

Wir erreichen die letzte Staustufe – Es ist die Sechszehnte des Tages, und sie ist eine Baustelle. Der Flusslauf ist mit Geröll- und Schutthaufen abgeriegelt und gibt ein trauriges Bild ab. Nach mehr als 35 Staustufen haben wir unsere Boote nun erstmals über ein Gewirr von Betonrudimenten und halbfertigen Stahlgeflechten zu hieven. Während der zeitaufwändigen Prozedur klappert über unseren Köpfen ein ungewohnt belebter Verkehr von Fahrrädern und Kleintransportern auf den leichten Brettern einer hölzernen Behelfsbrücke, die wenig vertrauenserweckend aussieht.

Am Ausgang des Auwalds

Wir sind froh darüber, dass heute Wochenende ist und nicht gebaut wird. Angesichts des wüsten Umfelds muss es hier erst gestern noch sehr viel lauter und ungemütlicher zugegangen sein. Trotzdem sind wir enttäuscht, denn wie es gestern Mittag am Kanalabzweig begonnen hatte, so trostlos endet es auch hier am Ausgang des Auwalds. Der Mensch maßt sich an, den Fluss zu beherrschen, einzuengen und zu kontrollieren, indem er ihm Unrat in die lebendige Mitte schüttet. Dabei könnte der jederzeit wieder aufstehen und neue Hochwasser heranschieben und alles fortspülen, wie zuletzt vor drei Wochen.

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