Anzeige

34. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 7: Die Pforte

Die Sonne lässt sich an diesem Morgen noch etwas bitten. Wir sitzen schon eine Weile beim Frühstück im taunassen Gras, als die ersten Strahlen über die Baumkronen hinwegstreichen und warm den Boden berühren. Um unser Zeitfenster nicht weiter zu strapazieren, packen wir heute nass ein und legen bald ab.

Ausstiege

Auf dem Wasser herrscht bereits eine schattenlos sonnige Idylle und wir können bald unsere Jacken, die wir wegen der Morgenkühle noch anhatten, ausziehen und hinter die Sitze stopfen. Die langen Hosen haben wir bereits vor dem Ablegen ausgezogen, weil wir wissen, dass auch heute der nächste Ausstieg sicher nicht lange auf sich warten lassen würde.

Hindernisparcours für Binsenbummler

Und richtig: Hinter der nächsten Flussbiegung setzt sich der Hindernisparcours von gestern fort. Weiterhin im Abstand von 500 Metern folgt eine Staustufe nach der anderen. Neu ist heute, dass sie auch aus betonierten Barrieren bestehen, auf denen das Laufen und Übertragen so komfortabel wie an einem nicht-polnischen Fußgängerüberweg vonstatten geht. An jenen Stellen fühlen wir uns immer ein bisschen wie Mecklenburger Binsenbummler, für die bei jedem Landgang schon alles vorbereitet ist. Mit derartigen Annehmlichkeiten haben wir nicht gerechnet. Die algenbewachsenen Stufen nötigen uns zwar zur Vorsicht, weil sie nicht rutschfest sind, aber mit den schweren Booten geht es auf dem glitschigen Untergrund umso bequemer abwärts.

Boot trifft Fahrrad

Wir sind gerade auf einer dieser Staustufen ins Umtragen vertieft, da werden wir plötzlich Zeugen von etwas Sonderbarem: Querverkehr. Wir trauen unseren Augen kaum, doch es ist so: „Boot trifft Fahrrad“. Zwei Radfahrer fahren knapp an der Sturzkante entlang und überqueren dabei trockenen Fußes den Fluss. Wir gewähren verdutzt Vorfahrt und staunen über die artistische Sicherheit, mit der die Radfahrer in graziler Seiltänzer-Manier auf dünnen Reifen von einem Ufer zum anderen balancieren, ohne dabei auf dem glitschigen Algenteppich wegzurutschen. Sie können hier besser fahren, als wir laufen.

Furten

Zwar haben wir immer wieder kleinere Ortschaften in der Nähe des Flusses bemerkt, aber uns ist nicht aufgefallen, dass wir schon seit geraumer Zeit keine Brücke mehr unterquert haben. Hier im Auwald hat man eine ökonomischere Lösung dafür gefunden, wie wir erst in diesem Augenblick erkennen. Jede Staustufe ist gleichzeitig eine Furt, die je nach Jahreszeit und Wasserstand benutzt werden kann. Erst jetzt fällt uns auf, dass der breite Mittelteil der Stufe und die abgeflachte Böschung auf beiden Seiten des Ufers genügend Raum bietet, den Fluss mit Traktoren oder auch einem Fiat-Polski zu überqueren. Uns kann das nur recht sein, denn am unteren Ende einer jeden Furt können wir bequem von der Betonkante oder einer angespülten Sandbank ablegen.

Staustufen

Ab und zu kommt es vor, dass zwischen zwei Betonfurten auch noch eine hölzerne Staustufe auftritt. Bei denen sind die Holzbohlen aber meist schon so brüchig, dass wir einen schmalen Durchlass finden können; und wenn der einmal sehr eng ist, dann sitzen wir mit unseren Booten so lange dort fest, bis sich genug Wasser hinter uns angestaut hat, um uns mitsamt den Booten durchzudrücken. So kommen wir gut voran und bekommen jede Menge Abwechslung geboten.

Siesta mit lauter Musik

Eine zeitlang ist der Fluss und die Umgebung ungewohnt belebt. Wir treffen auf Ausflügler mit Hunden und ein in die Jahre gekommenes angelndes Ehepaar mit Lagerfeuer am Ufer. Wir überraschen campende Sportwagenfahrer bei ihrer Siesta mit lauter Musik und an den Furten begegnen wir noch einige Male Radfahrern. Eine Stunde später sind wir wieder allein mit einer alles dominierenden Stille, die nur einmal sanft von einem Fischotter unterbrochen wird, der sich vor uns mit leisem Geräusch ins Wasser gleiten lässt. Gleich darauf ist er weg und wir sehen nichts weiter als unruhige Wellen auf der Wasseroberfläche, die noch etwas nachschaukeln.

< < .. > >

Mehr über den Bober

Schreib einen Kommentar

Deine Email wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert *

*
*

Du kannst auch etwas HTML benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Das Glück liegt auf der Straße.

    Die Info-Seite für Rad-, Fuß- & Wasserwanderer mit Berichten, News und Infos zu Radwegen, Wanderwegen und Wasserrouten.

    Impressum
    Zum Autor
    Presse & Kooperationen

  • Kategorien

    • Aktuelle Meldungen (23)
    • Allgemeines (1)