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31. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 6: Ankunft im Auwald

Wir nähern uns einem Fischreiher. Er nimmt uns wahr, aber kann dieses Bild von vollbepackten Booten und Paddlern nicht einordnen. Er kennt so etwas nicht in seiner unschuldigen Welt und bleibt verdutzt stehen. Ich kann ihn aus nächster Nähe „abschießen“ bzw. fotografieren, und erst, als wir schon längst vorbei waren, entscheidet er sich endlich, zu fliehen.

Modriger Geruch

Der Bober schleicht jetzt von Staustufe zu Staustufe – zu mehr Geplänkel reicht das Wasser nicht aus. Am Himmel ziehen noch immer dieselben tiefhängenden Wolken übers Land und tauchen den Auwald in ein tristes Licht. Die Vertiefung des Flussbetts hält den Wind von uns fern, und wir spüren nichts vom ungemütlichen Wetter über unseren Köpfen. Nur der modrige Geruch von abgestandenem Wasser bleibt. Oft wirkt der ganze Flusslauf vor uns wie ein verlassener Altarm.

Im Fünf-Minuten-Takt

Allmählich wird das Wasser klarer und plätschert in munteren Kaskaden von den Staustufen. Im Fünf-Minuten-Takt geht es von einer Halb-Meter-Stufe zur Nächsten. Dort müssen wir unsere Boote über die Hürden ziehen. Oft ist das umständlich und aus dem Ziehen wird schnell ein Zerren. Alles in allem aber können wir froh darüber sein, denn ohne diese Staustufen würde uns auch dieses restliche Wasser davonfließen.

Ehrgeiz über Bord

Nichtsdestotrotz machen sich die kleinen Staustufen in ihrer Eigenschaft, regelmäßig in Abständen von 500 Metern aufzutreten, deutlich in unserem Zeitplan bemerkbar. Unsere Planung ist wieder einmal futsch, und als wir das endlich eingesehen haben – dafür brauchte es ein wenig – werfen wir endlich allen Ehrgeiz über Bord und freuen uns einfach über die immer neuen spannenden Aufgaben, die uns der alte Bober noch zu bieten hat.

Tragen, Zerren, Balancieren

Wir tragen, zerren und balancieren. Manchmal sind die Staustufen so marode, dass wir nur ein wenig nachhelfen müssen, damit für uns ein neuer sprudelnder Durchlass frei wird – in diesen Fällen bedienen wir uns sozusagen des Wasserbaus in seiner praxisnahsten Variante. Plötzlich ist auch die Sonne wieder da und taucht alles um uns herum in eine fröhliche Stimmung. Das Wasser spiegelt den Himmel blau mit weißen Wattebällchen, und nur gelegentlich verwandelt es sich in ein Grau aus vorüberziehenden Wolkenschleiern.

Labyrinth

Der Fluss ist wieder zu Leben erwacht. Mal ist er tief und breit, und dann wieder nach einer Staustufe flach und eng. Oft liegen kleine Inseln im Fluss und teilen das Bett in mehrere Arme, die zusammen mit den naturbelassenen Mäandern den Eindruck verstärken, dass wir in ein wirres, unüberschaubares Labyrinth geraten sind. Immer wieder sitzen wir mit langen Hälsen in unseren Booten und suchen nach einer passenden Durchfahrt. Das gelingt uns nicht immer, weshalb die Boote des Öfteren knirschend auf einer Kiesbank auflaufen.

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