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28. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 5: Das Grollen in der Ferne

Als mir in den nassklammen Sachen allmählich wieder warm wird, bemerke ich, dass es auch um die Laune meiner beiden Begleiter nicht gut bestellt ist. René fühlt sich kränker als noch heute Morgen und Mark ist still geworden. Um die Stimmung nicht weiter zu belasten, verkrieche ich mich mit meiner Griesgrämigkeit unter die Regenplane und ordne meine Angelegenheiten neu – vor allem meine persönlichen Gegenstände, wie Schreibzeug, Wörterbuch und Reisepass, die ich sorgfältig auf meinem Schlafsack in der Muschel zum Trocknen auslege.

Lager in Zaum halten

Draußen fegen immer neue Windböen durch unser kleines Lager und bringen unsere Ordnung durcheinander. Wiederholt fliegen einzelne Dinge fast aufs Wasser hinaus, wenn nicht jemand noch im letzten Moment beherzt nach ihnen gegriffen hätte. Wir bemühen uns redlich darum, das Lager in Zaum zu halten. Um uns herum ist es laut, aber unser Abendbrot fällt dafür heute stiller als gewöhnlich aus. René legt sich bald zum Auskurieren ins Zelt. Mark und ich hingegen kauern weiter an einem leidlich windgeschützten Plätzchen zwischen Bäumen an einem spärlichen Feuer. Darüber grillen wir gepfefferte Putensteaks, die vortrefflich den Frust aus unseren Bäuchen vertreiben können; doch der größte von unseren Bäuchen liegt an diesem Abend schon im Zelt.

Nachrichten in die Heimat

Als ich allein bin und ein letztes Nachtfoto machen möchte, finde ich mein Stativ wieder. Es ist das Opfer stürmisch-chaotischer Lagerverhältnisse geworden und hat ein Bein verloren. Das stimmt mich traurig und der Ärger über meine Missgeschicke weicht nun einer tiefen Niedergeschlagenheit. Per Handy versuche ich noch, eine wehmütige Nachricht in die Heimat abzusetzen, von der ich nicht weiß, ob sie jemals ankommen würde. Zuletzt mache ich noch ein Foto vom Bober bei Nacht mit aufgepeitschtem Wasser.

Salz in der Suppe

Der Apparat ist noch nicht ganz fertig mit der Belichtung, als unvermittelt ein lauter Platzregen über mich hereinbricht. Ich türme mit Apparat und Bierflasche unter die Plane, wo der Regen noch lange gegen die dünne Plastikhaut trommelt. Im flackernden Kerzenschein schreibe ich noch eine Weile im Reisetagebuch und verkrieche mich dann in meinen klammen Schlafsack. Von den Mücken ist in der Strandmuschel heute nur wenig zu spüren. Der Sturm hält sie mir vom Leib. Ich falle in einen tiefen traumlosen Schlaf, wobei ich zuletzt noch versöhnlich daran denke, dass es unterwegs auch Tage wie diese geben sollte, denn sie sind vielleicht das Salz, welches einem Abenteuer erst jene Würze verleiht, die es unvergesslich macht.

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