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26. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 5: Das Grollen in der Ferne

Der Ort, den wir erreicht haben, heißt Nowogród Bobrzanski. Vom Wasser aus betrachtet, scheint die westpolnische Kleinstadt nicht mehr als ein großer Verkehrsknotenpunkt zu sein. Ein paar Menschen spazieren am Ufer entlang und am unteren Ende des breiten Flusstals ragt eine große, neugebaute Brücke für die betreffende Straße in die aufstrebende Weinstadt in den Himmel.

Bewegung

Der Fluss zieht sich dort trichterförmig zusammen und das Wasser gerät in Bewegung. Die Strömung drückt uns zwischen den hohen Brückenpfeilern hindurch. Direkt dahinter liegen im Schatten des Brückenmonuments die würdevollen Backsteinfundamente der alten Brücke, die um ein Vielfaches charakterlicher wirken als der glatte Betonriese hinter uns.

Glühender Backstein

Die Brücke ist wie ein Tor, hinter dem der Fluss sofort wieder in ein enges und schattiges Reich tritt. Hohe Weiden recken sich weit aufs Wasser hinaus und zwischen ihnen erhebt sich am rechten Ufer ein alter Industriekomplex, den an diesem Abend die Stimmung eines verlassenen Schlosses umgibt. Wieder ist die Mischung aus althergebrachtem Herrschafts- und Funktionsbau frappierend. Die Außenwände der hohen Fabrikhalle sind glatt und kahl, aber ein angeschlossener Turmbau ist mit einer prunkvollen Stuckfassade ausgeschmückt. Mit seinem in der Abendsonne glühenden Backstein hebt sich der Bau zwischen den schattigen Baumkronen wie die visionäre Erscheinung eines vergangenen Jahrhunderts hervor.

Anlegen

Kurz darauf erreichen wir eine alte Eisenbahnbrücke. Ihre Eisenträger sind verwittert und rostig, und tragen schon lange keine Züge mehr. Lediglich ein paar Angler aus der nahen Stadt nutzen die Brücke, um auf dem Gittergeflecht jonglierend über den Fluss zu gelangen. Weil uns eine kleine Staustufe aus scharfkantigen Spundwänden etwa hundert Meter unterhalb der Brücke mit alarmierendem Rauschen droht, legen wir neben der alten Brücke an.

Brennnesseln und Mücken

Es ist fraglich, ob unsere Boote die Spundwände unbeschadet überfahren können. Deshalb entscheiden wir uns gegen dieses Risiko und beginnen mit dem Umtragen. Der Weg ist beschwerlich. Auf dem schmalen Pfad flussabwärts bleibt der Bootswagen immer wieder im Dickicht hängen und erst nach einem langen und mühseligen Landgang erreichen am Ende des Weges eine kleine Wiese, die einen kleinen Zugang zum Wasser bietet. Brennnesseln und Mücken haben uns heftig zugesetzt. Unsere nackten Beine brennen und juckten jetzt.

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