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25. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 5: Das Grollen in der Ferne

Das Flussbett hinter dem Wehr ist breit und flach. Nachdem wir die Boote und das Gepäck hinunter geschafft haben, halten wir ein spätes Mittagessen auf einer Sandbank ab. Wir erfreuen uns an sandigen Brötchen mit Minisalami und für René gibt es weiterhin Schonkost.

Auf dem Lichtstreifen

Wohltuend gesättigt, zerren wir kurz darauf die Boote aus dem Flachwasser in die Strömung des Hauptlaufs und treiben weiter. Der restliche Nachmittag verläuft sorglos gleitend auf dem Fluss, der einem Lichtstreifen gleicht und am Rande von meterhohen Böschungen und Graswäldern begleitet wird. Der Flusslauf wechselt nun ständig sein Gesicht und ist mal breit und dann wieder eng. Hin und wieder reichen zwischen prärieartigen Wiesenflächen bewaldete Hügel bis nah an die Ufer heran, wo sich das Wasser durch losen und sandigen Boden gegraben hat; und immer wieder hängt Hopfen von abgestorbenen Bäumen.

Nervöse Enten

Wir können größtenteils nebeneinander her paddeln, bis wir des Redens überdrüssig werden und uns wieder auf dem Wasser verstreuen. Wir lehnen uns, jeder für sich, zurück und lassen uns treiben. Dabei holen wir eine Entenfamilie ein, die uns nicht bemerkt hat. Wir haben sie schon fast erreicht, da ertönt ein dröhnender Pups von René, der laut im Bootskörper wiederhallt. Sofort ist es vorbei mit der Ruhe und die Enten steigen vor unseren Booten laut quakend mit nervösem Geflatter in die Luft.

Nowogród Bobrzański

Am Spätnachmittag erreichen wir eine Ansammlung großer Villen, die majestätisch von einer Anhöhe auf den Fluss herabschauen. Am Berghang ziehen sich die Ufer plötzlich zusammen. Gleich darauf folgt eine Reihe felsiger Sohlschwellen, die im Unterwasser alter Brücken lauern. Die Brücken machen einen maroden Eindruck und scheinen schon lange nicht mehr benutzt zu werden. Kurz darauf wird die Strömung wieder gleichmäßig und glatt und an den flachen Ufern sind nahe Häuser zu sehen.

Zielona Góra

Am Eingang der Ortschaft liegt ein Baggerschiff im Wasser. Aus der Mitte des Flusses hebt es schaufelweise Sand vom Grunde des Flusses empor. In gleichmäßigen Abständen klatscht das matschige Sand-Wasser-Gemisch auf den Rumpf eines Lastkahns. Über die Schiffsreling fließt trübes Wasser zurück in den Fluss. Wir sind verwundert. Es handelt sich dabei sicher nicht um eine wasserbauliche Maßnahme, denn eine kommerzielle Schifffahrt gibt es hier schon lange nicht mehr. Vermutlich benötigt man den Sand für den Bau der neuen Schnellstraße nach Zielona Góra.

Grüner Wein

Zielona Góra ist die Stadt mit dem ehemals nördlichsten Weinhang Europas, die einst wegen ihres sauren Weißweins berühmtberüchtigt war. Früher trug die Stadt einmal den Namen Grünberg, der schon für sich genommen auf die Qualitäten ihres Weins schließen ließ. Neuerdings aber haben ein paar unverbesserliche Enthusiasten mit der Rekultivierung des Weinbergs begonnen, was dem Rebensaft allerdings nicht unbedingt zum Übel gereichen muss, denn die fortschreitenden Klimaveränderungen lassen auch hier im Norden neue Hoffnungen für den Weinanbau keimen.

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Mehr über den Bober

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