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23. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 5: Das Grollen in der Ferne

Es ist der bisher schwierigste Tag dieser Tour. René ist krank, Mark zweifelt an der Struktur des Unternehmens und ich mache kleine Fehler mit unangenehmen Folgen. Aber angefangen hat alles ganz anders und noch nichts deutet an diesem Morgen auf jenes Ende des Tages hin.Unsere kleine Wiese steht nasstriefend im Morgentau und die Sonne steigt bereits hinter den Bäumen hervor, als wir aus unseren Schlafsäcken kriechen und die klamme Zeltplane zur Seite schlagen.

Toast und Tee

Für das Frühstück entfachen wir noch einmal das Feuer und bereiten uns warme Toasts zu. Während des Essens steht abwechselnd immer wieder jemand von uns auf, um die Planen zum Trocknen in der Sonne zu wenden. Nach einigen Nutella-Toasts und zwei Tassen heißen Tee ist alles trocken und wir können einpacken. Obwohl sich René unwohl fühlt und es für ihn nur Pfefferminztee und Zwieback gibt, ist die Stimmung an diesem Morgen gut. Doch es liegt ein fernes Grollen in der Luft, aber wir nehmen es nicht weiter ernst und erklären es uns mit der nahen Straße, auf der schon wieder laute Betriebsamkeit herrscht.

Geräuschkulissen

Später spricht René von einem Grollen in seinem Magen – irgendetwas hat ihn verstimmt. Deswegen scheut er aber das Wasser nicht, und als die Sonne schon wieder erbarmungslos auf uns niederbrennt, vertreibt sie uns von der schattenlosen Wiese. Nachdem ich meinen letzten Schluck Morgentee in den Bober geschüttet habe, legen wir ab. Auf dem Wasser bemerken wir bald, dass jenes Grollen zunimmt und sich zu einem Donnern steigert. Laut Karte müssen wir uns allerdings bereits weit abseits der Straße befinden. Etwas verwundert betrachten wir noch einmal genau die Landkarte und entdecken eine große Brachfläche zur Linken des Flusses eingezeichnet. Das lässt auf einen weiteren Militärübungsplatz schließen, was auch diese bedrohliche Geräuschkulisse plausibel erklären könnte.

Kleine und große Donner

Zwischen dem dumpfen Donnern vernehmen wir nun auch deutlich helle Schüsse. Beides verleiht diesem Vormittag eine sonderbare Atmosphäre und mittendrin tönt dazu unser Magen-Darm-Patient seine kleinen Donner in die frische Luft. René und die Militärübung geben ihr Bestes. Mark und ich hingegen lassen uns davon zu einer Art Endzeitfiktion verleiten, die wir in unserer Vorstellung zu einer drastischen „Stell dir vor es ist Krieg und wir paddeln hier rum“-Vision steigern und mit makaberen Szenarien ausmalen. Nach einer Stunde Paddeln ist der Spuk vorbei. Nur die kleinen Donner von Renè sind geblieben.

Elektrisches Wasser

Die Sonne strahlt über dem Fluss, der breit geworden ist und uns mit seiner glitzernden Wasserfläche blendet. Dadurch erkennen wir das nächste Wehr erst spät. Weiterfahren ist wieder einmal unmöglich. Nachdem wir uns umständlich durch einen Schilfgürtel zum Ufer vorgearbeitet haben, können wir in der Nähe einer Wasserkraftanlage anlegen. Nicht weit entfernt führt ein Weg stromabwärts nah genug am Elektrownia Woda vorbei, damit die gutgelaunten Männer hinter dem Zaun des Betriebsgeländes ihre obligatorischen Kommentare – von denen wir allerdings nicht viel verstanden – zu unserer Bootsfahrt zum Besten geben können. Allerdings müssen sie sich dabei beeilen, denn wir kommen mit dem weniger gewordenen Gepäck gut voran. Wir sehen eine weitere Staustufe circa 500 Meter stromabwärts, vor der uns die Männer vom Elektrischen Wasser (freie Übersetzung von Elektrownia Woda) schon gewarnt haben; und das nicht umsonst, denn auf voller Flussbreite stürzt dort das Wasser weiß schäumend über gefährliche Spundwände. Diese Barriere ist unbefahrbar und vollbepackte Wanderpaddler wie wir würden es unter keinen Umständen unbeschadet aus dem Rücksog schaffen.

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