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19. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 4: Von Zigeunern und Mädchen

Der Bober ist nun zahm und an seinen Ufern lassen Trauerweiden ihre Äste ins Wasser hängen. Angesichts dieses friedlichen Bildes befürchten wir ein weiteres Wehr.Erwartungsgemäß stemmt es sich mit beeinduckender Größe am unteren Ende des Flussbogens gegen das Wasser. Daneben liegt ein Wasserkraftwerk und im Vordergrund drängt sich dichter Verkehr über eine Straßenbrücke. Beim Anblick dieser regen Betriebsamkeit erwacht in uns die Hoffnung, dass es sich bei dieser Stadt um Zagan, die einstige schlesische Adelsresidenz Sagan und zweite bedeutende Zwischenstation auf unserer Strecke handelt.

Boote zwischen Weiden

Wir legen am rechten, wurzelgesäumten Ufer vor einem verträumten Backsteinbau mit alterwürdiger Ausstrahlung an. Dabei scheuchen wir einen Angler auf, der schmollend mit Rute und Eimer das Weite sucht. Sogleich begeben René und ich uns auf Erkundungstour und lassen Mark in einem harmonischen Bild von Booten zwischen Weiden am Wasser zurück. Wir steigen dem Angler hinterher über eine schmale Treppe in den Innenhof des angrenzenden Gebäudekomplexes.

Sagan 1851

Dort steht eine Kirche. Überall windet sich Efeu an den Wänden empor und in einer alten Inschrift am Giebel steht in alten Lettern geschrieben, dass es sich bei den uns umgebenden Gebäuden um das Herzogin-Dorothea-Stift zu Sagan von 1851 handelt. Am Ausgang des Hofes steht eine Rotbuche, die noch viel älter als diese Bauten ist. Mit seinem ausladenden und bis zum Boden reichenden Blätterdach nimmt dieser stolze Baum fast den gesamten Vorplatz des Stiftsgeländes ein. Der Angler ist verschwunden. Seiner statt parkt in der Straßenzufahrt ein Krankenwagen, der verrät, dass hier jetzt eine Notfall-Ambulanz untergebracht ist.

Verkehrsregeln

Kaum haben wir einen Fuß auf die Straße gesetzt, werden wir beinahe vom Verkehr erfasst. Wir haben es ganz vergessen: Zebrastreifen sind hier nicht mehr als ein formales Zugeständnis an die Fußgänger, das man in Polen nicht zu ernst nehmen sollte. Noch verunsichert von der Hektik des Feierabendverkehrs laufen wir zur Brücke vor. Es ist eine zierlose Betonkonstruktion, die sich von einem Ufer zum anderen erstreckt. Rechts von ihr befindet sich das monströse Wasserkraftwerk.

Brücken

Hinter der Brücke liegt allerdings noch kein Festland; es handelt sich lediglich um einen vom Flussbogen inselartig eingefassten Landflecken, der durch einen kanalisierten Flusslauf vom Ufer getrennt ist. Am oberen Ende des Kanals liegt jenes Wehr, das wir vor einer halben Stunde noch siegesgewiss umschippert hatten. Wir sind verdutzt darüber, wie wenig wir seitdem vorangekommen sind. Nach der langen Weiterfahrt auf dem Flussbogen wähnten wir uns eigentlich schon ganz woanders.

Begegnungen

Wir schauen uns um und begegnen hübschen Mädchen. Sie ignorieren uns entweder mit einem betont in die Ferne schweifenden Blick, oder sie lassen sich von unserer legeren Paddlermontur nicht abschrecken und wagen einen Blick und mustern uns mit einem verschmitzten Lächeln. Wir bemühen uns darum, uns weiterhin wie Durchreisende zu verhalten und bleiben nicht stehen.

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Mehr über den Bober

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