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18. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 4: Von Zigeunern und Mädchen

Als wir die Boote auf eine Insel ziehen, die der Umflutkanal eines Wasserkraftwerks vom festen Ackerland trennt, scheint bereits wieder die pralle Sonne auf uns nieder.Schwitzend schaffen wir die Boote hinunter auf eine Sandbank hinter dem Wehr. Dabei plagen uns die Mücken auf so unerträgliche Weise, dass wir beschließen, ein weiteres Mal unseren Badetrick auszuprobieren. Er funktioniert, und nachdem wir frisch gebadet am Ufer sitzen und uns ein bescheidenes Mittagsmahl aus der Dose zubereiten, kann uns tatsächlich für kurze Zeit keine Mücke mehr riechen.

Blaue Steine

Während des Essens stellen wir zweierlei überraschende Dinge fest: Zum einen, und das war für sich genommen schon kurios genug, sind jetzt lauter blaue Steine im Flussbett verteilt. Sie sind mal klein oder groß, hell- oder dunkelblau, und sie heben sich auffallend von den rundgewaschenen Backsteinziegelresten im grauen Kiesgemisch ab.

Geheimnisse

Da sie uns nun einmal aufgefallen sind, entdecken wir immer mehr von ihnen. Sie liegen überall im Flussbett und uns ist unklar, wie es möglich ist, dass wir sie bisher übersehen hatten. Wir wissen nicht, seit wann sie uns schon begleiten und wie sie hierher gekommen sind. Wegen der darin eingeschlossenen Luftbläschen vermuten wir in ihnen die Überreste eines Schlackeprodukts aus der Industrie. Aber wir sind ahnungslos und haben keine Idee, welche Industrie solche Überbleibsel hinterlässt. Zumindest müssen die harten, blauen Klunker schon alt und ein Stück weit von stromauf gekommen sein; genauso wie die Backsteinkiesel, denn hier um uns herum hat es bestimmt nie etwas anderes als Wald und Acker gegeben. Doch soviel wir auch grübeln, die blauen Steine geben ihr Geheimnis nicht preis.

Fluss-Gezeiten

Dann ist da noch etwas Ungewöhnliches. Erschrocken springe ich plötzlich auf, weil mein Boot beinahe davonschwimmt. Es liegt gefährlich weit im Wasser. Doch ich bin mir sicher, es zuvor weit genug auf den Sand gezogen zu haben. Wenn ich tatsächlich recht habe, dann kann dies nur eines bedeuten: Und richtig, bald erkennen wir, wie der Wasserspiegel unterhalb des Wehres unvermittelt ansteigt und kurz darauf wieder fällt. Wo eben noch ein meterbreiter Uferstreifen war, schwappt plötzlich Wasser. Was wir schon eine ganze Weile ahnten, ist damit zur Gewissheit geworden: Wir sind auf einem eigensinnigen Fluss unterwegs.

Kwisa

Die Weiterfahrt geht schnell und unproblematisch vonstatten. Die Strömung zieht uns stromabwärts und bald taucht die Mündung des Queis, heute auch Kwisa genannt, in einer scharfen Rechtskurve auf. Dieser Fluss ist dem Bober ebenbürtig. Er bringt einen kräftigen Schwall aus dem Isergebirge heran und drückt sein Wasser in das breite Flussbett. Das verursacht einen Schweif an der Mündung, dessen Wellen uns noch eine kleine Strecke begleiten, bis ihr Schwappen allmählich verebbt.

Freie Fahrt

Die drastisch erhöhte Abflussmenge macht den Bober keineswegs ruhiger. Er strömt weiterhin ungestüm wie am ersten Tag und wuchtet gegen die steilen Uferhänge. Doch nun ist der Bober erstmals breit genug, um uns trotz der vielfältigen Hindernisvariationen immer einen Durchgang freizuhalten. Selbst die Sohlschwellen unter den Brücken sind dank des vielen Wassers nun weich genug, dass wir sie trotz des vielen Gepäcks problemlos abreiten können.

Städtchen am Abend

Die Sonne strahlt vom makellos blauen Himmel und befindet sich bereits auf ihrer absteigenden Runde, als unvermittelt der Wald endet und ein Wehr am rechten Ufer auftaucht. Wir sehen, dass der Fluss in einem weiten Rechtsbogen in eine Ortschaft hineinführt und entscheiden uns dafür, weiterzufahren. Mit jedem Paddelschlag gelangen wir weiter in den Flussbogen und erkennen allmählich die ersten Ausläufer einer Ortschaft. Es erscheinen nach und nach mehrere Häuser, vor denen Angler am Ufer sitzen und ihre Köder ins Wasser halten. Der Fluss ist mittlerweile ruhig und beinahe strömungslos geworden. An das rechte Ufer ist nach und nach ein Städtchen herangetreten.

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Mehr über den Bober

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