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16. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 4: Von Zigeunern und Mädchen

Der Tag beginnt trist. Stille hüllt unser kleines Lager ein. Über Wiese und Fluss schwebt ein dichter Nebelschleier, der alles in Nässe taucht.Das gefällt den Mücken und sie fallen trotz des feinen Sprühregens stumm und in noch größeren Massen als gestern Abend über uns her.

Im Nebel

Unsere Sachen packen wir im Schutz von Zelt und Strandmuschel ein. Zuletzt stopfen wir die klammen Nylonhäute in einen separaten Packsack. Nach dem Frühstück haben sich die Wolken noch dichter zusammengezogen und als wir ablegen, beginnt es zu regnen. In steifer Regenmontur lenken wir die Boote auf die schnellströmende Flussmitte. Das grüne Auenland, triefend nass und in keiner Weise an den gestrigen Sommerabend unter sternenklarem Himmel erinnernd, verschwindet hinter uns im Nebel.

Nasse Welt

Auf dem Wasser ist es angenehm. Der feine Sprühregen legt sich auf alles, was nicht in den Booten verstaut ist, aber in den Booten ist es warm und gemütlich. Die Welt um uns herum trieft vor Nässe. Es tropft von den umstehenden Erlen herab. Auf der Wasseroberfläche bilden sich faszinierende Muster von den feinen Wassertropfen und der Wasserspiegel ist in den unterschiedlichsten Facetten aufgeraut. Das ergibt ein fortwährendes Wechselspiel von hellen und dunklen Flecken auf dem Wasser, die mit uns von der Strömung getrieben werden.

River-Road

Der Fluss hat sich in einen helldunklen Fleckenteppich ohne Spiegelbild verwandelt. Er gleicht dadurch einer von Teerflicken übersäten Asphaltstraße, die durch den wilden Auwald führt. Am Ufer verstärken weiße Birkenstämme den Kontrast von Hell und Dunkel, so dass es den Anschein hat, dass wir in einer Schwarzweiß-Welt unterwegs sind, in der unsere Regenjacken mit ihrem grellen Gelb und Rot die einzigen Farbtupfer sind.

Spießrutenlauf

Aus dem monochromen Schleier heraus werden, noch blass und zart, Farben erkennbar. Sie gehören zu einer kleinen Ortschaft, an deren Flussseite ein Wehr liegt. Geradeaus führt am linken Ufer ein kleiner Nebenarm ins Dorf. Der Bober selbst wird hinter dem Wehr nach rechts in den Wald weggeführt. Pünktlich zum Ende des Regens legen wir an und steigen aus den Booten. Wir haben, unter unserem Gummizeug schwitzend, die Boote bereits bis zur Dorfstraße vorzogen, als wir bemerken, dass es nicht mehr regnet. Ungläubig legen wir unsere Regenjacken ab, was die Mücken sofort mit heftigen Attacken quittieren. Der in den Regensachen angestaute Mief zieht sie an und der Weg durchs Dorf wird zu einem Spießrutenlauf, so dass wir bald wieder unsere Regensachen anziehen, obwohl es nicht noch einmal zu regnen begonnen hat.

Alte Steine

Der kleine Weg neben dem Fluss besteht aus Pflastersteinen, Teerflicken und Sand zugleich. Jeder Meter ist neu und anders. Das Dorf ist ganz still und nimmt keine Notiz von uns. Zwischen grauem Putz strahlen vereinzelt grelle Fassaden mit giftigen Farben hervor, die es leicht mit dem modischen Chick unserer Regenjacken aufnehmen können. Insgesamt macht das Dorf keine besondere Lust auf eine nähere Begegnung. Alles wirkt gewöhnlich und durchschnittlich, aber trotzdem strahlt der Ort etwas Faszinierendes aus. Hier begegnen uns unübersehbare Zeichen der Zeit. Überall gibt es Dinge zu entdecken, die nicht in die Gegenwart gehören: Alter Backstein und brüchiger Stuck sind hier noch unangetastet und unrestauriert.

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Mehr über den Bober

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