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14. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 3: Der alte Mann und seine Stadt

Das Kraftwerk ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Trockene Turbinenkammern schlummern in einem versumpften Nebenarm des Bobers. Wir klettern und hüpfen über die klobigen Betonbrocken. Der raue Untergrund ist noch warm von der Tagessonne und tut unseren Füßen gut.

In schummriger Tiefe

In der schummrigen Tiefe der Schächte stecken weitere Turbinenräder, die schon lange kein Wasser mehr bewegt hat. Die ganze Anlage liegt wie verwunschen in einem Dornröschenschlaf. Dahinter, über eine hohe Betonkante hinwegschauend, erblicken wir den Fluss. Sein gesamtes Wasser wird unter lautstarkem Gurgeln und Rauschen zwischen zwei Betonpfeilern hindurchgepresst.

Nervös und verschnürt

Das aufgeschäumte Wasser gibt uns viel Anlass zu Spekulationen, doch schließlich entscheiden wir uns wegen der knappen Zeit für einen Befahrungsversuch, denn die Sonne berührt nun schon fast den Horizont. Zurück bei den Booten, bereiten wir uns auf die Durchfahrt vor. Wir sind nervös und ziehen unsere Spritzdecken mit besonderer Sorgfalt auf. Als ich verschnürt wie ein Paket im Einer sitze, lege ich ab. In diesem Moment bin ich mir nicht sicher, ob der Erste zu sein ein Nachteil ist, oder ob es einfach nur gut ist, es bald hinter sich zu haben.

An nichts mehr denken

Mit korrigierenden Paddelschlägen treibe ich auf die unheimliche Engstelle zu. Das Tosen wird lauter und ich werde merklich wie von einem Schlund angezogen. Ich spüre, wie das Nachdenken in mir aussetzt und meine Bewegungen flüssig werden. Kurz vor der Schwelle stoße ich das Paddel ins Wasser, ziehe fest am Schaft und denke endgültig an nichts mehr. Ich beobachte jetzt mich und was um mich herum passiert: Vor mir taucht die Kante auf und ich sehe den auslaufenden Schweif – das Boot läuft gut rein, kippt nach vorne und schießt abwärts. Um mich herum schlagen die Wellen über dem Boot zusammen.

Abflusstreffen

Hinter dem Schweif finde ich ein Kehrwasser und fahre hinein. Ich jubele kurz auf und verhalte mich daraufhin sogleich still, um meine Nachfolger nicht zu verunsichern. Ich warte und lauere ihnen mit der Kamera auf. Dann kommen sie. Es ist ein rauschendes Schauspiel, wie sie tollkühn am äußeren Betonpfeiler entlang ziehen und ins Unterwasser platschen. Im unteren Abfluss treffen wir uns wieder und sind froh über den glücklichen Ausgang der Aktion, die auch leicht hätte anders enden können.

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