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13. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 3: Der alte Mann und seine Stadt

Die Sonne steht schon tief und wir beeilen uns dabei, unterhalb des Wehrs an einer Treppe einzusetzen. Das Hochwasser der vergangenen Wochen hat große Löcher in die Böschung gefressen. Endlich wieder auf dem Wasser, treiben wir am Stadtrand entlang und sehen die alten Häuser und Fassaden aus einer früheren Zeit, die zuvor hinter den klobigen Bauten der Neuzeit nicht zu erkennen waren.

Backstein und rostiges Metall

Am unteren Ende der Stadt säumen alte Fabrikhallen die Ufer, wie man sie in fast jeder größeren Stadt Mitteleuropas noch vorfinden kann. Meist sind es ungeliebte Industriebrachen, die sich mit ihrem rohen Charakter erfolgreich gegen eine neuzeitliche Übernahme wehren konnten. Wie zum Beweis der Existenz dieses Ortes stößt zwischen Backstein und rostigem Metall von rechts unerwartet der namensgebende Fluss hervor und prägt das Bild einer Stadt, die es schon lange hier gibt: Sprottau wie Szprotawa liegen dort, wo die Sprotte in den Bober mündet – und sonst nichts.

Ein schöner Abend

Als wir die Stadt verlassen, sind wir froh darüber, dass der ältere Herr Recht behalten hat. Zu sehr hätte zum Industriegebiet des alten Sprottaus ein Wehr gepasst, doch es kommt tatsächlich keines. Stattdessen empfängt uns die Natur hinter den letzten verwaisten Industriehallen mit mehreren spritzigen Sohlschwellen. Das passt gut zu diesem schönen Abend. Wir haben Lust auf Erlebnisse und halten uns auf der Actionline. Als sich der Fluss beruhigt, spiegeln sich Bäume im Wasser, über deren Konterfei wir in die Stille des Sommerabends hinausgleiten. In der Nähe ziehen sich noch ein paar Gebäude am Fluss entlang, so dass wir unsicher werden, ob die Stadt wirklich bereits hinter uns liegt. Bald aber folgt menschenleere Wildnis und mit ihr die Gewissheit, dass Szprotawa nun tatsächlich hinter uns liegt und wir eine wichtige Etappe in dieser Woche geschafft haben. Ab jetzt ist wieder alles möglich und wir können auf der Landkarte hoffnungsvolle Pläne für die nächsten Tage schmieden.

Rauschen im Abendrot

Für heute gilt es, einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Doch stattdessen taucht am unteren Ende einer Flussbiegung ein rätselhaftes Bauwerk auf, das sich quer über den Fluss erstreckt und hell im Abendrot leuchtet. Wir lassen uns vorsichtig herantreiben, können aber nicht erkennen, was dieses kräftige Rauschen verursacht, das immer lauter und deutlicher hörbar wird, so dass wir schnell anlegen. Wir vertäuen die Boote am steilen Ufern unter ein paar Weiden. Ungeduldig und voller Spannung laufen wir dem mysteriösen Rauschen entgegen.

Nicht mehr Szprotawa

Ein altes rostiges Turbinenrad am Wegesrand, fast so hoch wie wir selbst, weist uns den Weg durch brennnesselüberwuchertes Dickicht. Darin finden wir die Überreste eines alten Wasserkraftwerks, das zu einem abgelegenen Dorf gehört, das wir erst jetzt wahrnehmen. Es liegt links von uns auf einem Feld, ist klein und leise, und gehört nicht mehr zu Szprotawa – soviel ist klar. Was aber der alte klobige Betonbau im Flussbett zu bedeuten hat, dass müssen wir jetzt schleunigst herausfinden, denn bald wird es dunkel sein.

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Mehr über den Bober

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