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9. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 3: Der alte Mann und seine Stadt

Der Morgen ist kalt und klamm. Was sich nächtens schon angekündigt hatte, ist heute zugegen. Es weht ein bissiger Wind. Der Mond ist nur noch ein matter Fleck am Rande der Himmelsscheibe, über den weiße Wolkenfelder dahinrasen. Jetzt spüren wir die Ungemütlichkeit der Militärplatzatmosphäre, die sich gestern Abend noch hinter einer warmen Abendsonne versteckt hatte.

Wie alte Männer

Die schlaffe Luftmatratze macht es mir leicht, aufzustehen. Vom harten Boden gepiesackt, schäle ich mich aus dem warmen Schlafsack und ziehe mir die kalten Sachen über die frierende Haut. Als ich mich erhebe, spüre ich meine steifen Glieder vom gestrigen Tag und sofort fällt mir wieder ein, dass es immer so ist: Jedes Jahr nach dem ersten langen Tag auf dem Wasser schmerzen die Glieder wie die eines alten Mannes. Dann bemerke ich René und Mark, die ebenso steif und unbeholfen über die Heide stolpern. Unser morgendliches Befinden ist Grund genug, die Frühstückstoasts an einem wärmenden Feuer zuzubereiten. Erst nach reichlich Nutellatoasts und viel heißem Tee kommen wir wieder aus unserem Erdloch, um den Tag zu beginnen.

Heimliche Opfergaben

Wieder auf dem Platz, sortieren wir unser Gepäck und beladen die Boote. Die Stimmung ist an diesem Morgen ernster als gestern. Wir haben nun Klarheit darüber, wie es tatsächlich um das Reisen auf dem Bober steht. Wieder kann ich es mir nicht verkneifen, den letzten Schluck Frühstückstee heimlich dem Bober zu opfern. Als alles für die Weiterfahrt vorbereitet ist und wir die letzte Besprechung für den Tag abhalten, gibt es keine Spur von Euphorie und unsere Gesichter sehen mehr grübelnd als ungeduldig aus.

Die richtige Drift

Als wir ablegen, verfliegt die erste Anspannung schnell und löst sich in Routine auf. Obwohl uns der Fluss erneut mit ganzer Gewalt packt, haben sich unsere Glieder bald wieder soweit gelockert, dass wir die Paddel kräftig in die Strömung drücken können, um den Booten die richtige Drift zu geben. Das reicht auf Anhieb, um den Vormittag auf dem aufgewühlten Wasser bestehen zu können und jede Kurve und jedes Baumhindernis wohlbehalten hinter uns zu lassen. Nur einmal, bei einem stillen Dorf mit Holzbrücke, legen wir an, um das Fahrwasser zu prüfen.

Mittagsdunst

Auch heute wieder zur Mittagszeit wird der Bober ruhig und verliert sich in einem breiten und tiefen Flussbett. Eine hohe Eisenbahnbrücke markiert den Wendepunkt. Die Ufer weichen zurück und wir paddeln zum ersten Mal nebeneinander her. Wir genießen es, uns entspannt auf dem Wasser unterhalten zu können. Trotzdem ahnen wir angesichts des ruhigen Fahrwassers, dass Dinge zu erwarten sind, die unsere Fahrt stören würden. So ist es dann auch, und bald sehen wir ein Wehr, das sich vor uns aus dem Mittagsdunst schält.

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