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7. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 2: Die Bober-Taufe

Ein weiteres, noch viel größeres Problem tut sich auf.Im Dämmerlicht der Bäume beginnen uns Unmengen von Mücken von ungewöhnlicher Größe zu belagern. Sie sind geradezu riesenhaft für ein Insekt und damit viel größer, als wir das bisher von Mücken kennen.

Moskitomäßige Methoden

Ihre Größe ist aber nicht das eigentliche Problem, sondern ihre moskitomäßigen Methoden, mit denen sie uns aus dem Schatten der Erlen heraus ohne Unterbrechung attackieren. Das strapaziert unsere Nerven so sehr, dass wir am liebsten schreiend wegrennen möchten. Wir schlagen um uns und überall auf unserer Haut kleben Blut und verschmierte Mückenkadaver. Kaum ist das Havarie-Boot wieder halbwegs flott, treten wir einen ungeordneten Rückzug an und hoffen dabei, dass uns der Bober diese Nachlässigkeit durchgehen lassen würde.

Kaum seetüchtig

Das Gepäck haben wir nur provisorisch befestigt und unsere Spritzdecken sitzen auch noch nicht fest, als wir uns wieder der schnellen Strömung übergeben, die uns aus dem Zwielicht des Waldes heraustragen soll. Wir sind kaum seetüchtig, aber wollen unbedingt dorthin, wo uns kein Moskitogeschwader folgen würde. Und obwohl wir von diesem Tag nicht mehr viel zu erwarten haben, wünschen wir uns noch vor Einbruch der Dunkelheit ein lichtes Plätzchen, wo wir unsere Sachen trocknen können.

Steppe und Sand

Nicht weit hinter dem Wald finden wir die gewünschte Stelle an einer längeren Flussgeraden. Es ist die erhoffte nächstbeste Ausstiegsmöglichkeit. Daran grenzt eine weitläufige Wiese, von der ein Feldweg zum Fluss hinunterführt. Er ist offensichtlich die Zufahrt zu einer Furt, denn auf der gegenüberliegenden Uferseite befindet sich ein weiterer Weg zum Fluss hinunter, der ebenso im Wasser verschwindet. Auf beiden Seiten hat die Wiese den Charakter einer Steppe; magere Sandböden, die im Osten erst weit in der Ferne von dunklen Waldrändern umrahmt sind.

Militärplatzatmosphäre

Wegen der vielen Spuren von schweren Fahrzeugen tippen wir darauf, dass es sich um einen verlassenen Militärplatz handelt. Nach der Enge des Waldes ist diese Weiträumigkeit genau das Richtige für uns. Wir legen am rechten Ufer an und ziehen die Boote die Auffahrt hinauf, neben der ein kahler Turm aus Betonsteinen in den Abendhimmel ragt. Darauf steht wie zur Zierde eine einsame Birke in gedrungener Gestalt. Die grobe Witterung, der sie Jahr für Jahr ausgesetzt ist, sieht man ihr deutlich an. Wie ein Eremit thront sie dort oben, wo es wahrscheinlich stets noch windiger und trockener als hier unten am Boden ist.

Licht und Farbe

Das Blaugrau des Abendhimmels wird immer neu vom Licht der Abendsonne durchbrochen, die mit den Enden ihrer Strahlen den Boden berührt und leuchtende Farbtupfer in die Landschaft setzt. Manchmal glüht für Augenblicke der ganze Horizont und es lösen sich Lichtreflexe in der Ferne, die als Farbfetzen über die versteppten Wiesen ziehen. Die Heide liegt in einem pulsierendem Hell und Dunkel. Dazu bläst der Wind unbeständig und schüttelt hin und wieder mit lautem Flattern die Sachen von unserer Leine.

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Mehr über den Bober

  1. An Ihrem Abenteuer Tag…

    […] der sie Jahr für Jahr ausgesetzt ist, sieht man ihr deutlich an. Wie ein Eremit thront sie dort ob […]…

    Tour Concept Blog on August 22nd, 2010 at 07:27

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