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6. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 2: Die Bober-Taufe

Es hat mich bereits ein ganzes Stück flussabwärts gezogen, als ich eine Kehre zum Wenden finde. Ich schaue flussaufwärts und erkenne Mark und René, wie sie angestrengt schaufelnd versuchen, den Zweier nach links hinüberzubringen. Ich fiebere mit und bin in einen Zustand hellster Aufregung versetzt. Doch plötzlich bleibt das Boot stehen.Da weiß ich, sie haben es nicht geschafft und werden in diesem Moment an den Baumstamm gedrückt. Im selben Augenblick dieses Gedankens kippt das Boot und bleibt auf der Seite liegen. Von der Besatzung ist nichts mehr zu sehen. Ich halte den Atem an, zähle die Sekunden und bin hin- und hergerissen – sollte ich sofort lospaddeln oder noch abwarten? Was ist jetzt richtig? Wo kann ich helfen?

Filmszenen

Endlich taucht Marks Kopf unterhalb des Baumstamms auf. Wo aber ist René? Mark schwimmt ans Ufer und rennt zurück zum Boot. Zwischen mir und dem Geschehen liegt so viel Raum, dass aus der Entfernung alles wie ein Film wirkt, dem ich nur gebannt zuschauen kann. Es rattert in meinem Kopf, doch mir will noch immer nicht einfallen, was jetzt zu tun sei. Dann sehe ich René. Den Kopf über Wasser, an einen Ast geklammert, versucht er das Boot zu halten. Mark – nun schon das zweite Mal heute – springt ins Wasser und greift nach der Bootsschnur. Tiefe Erleichterung löst meine Starre und ich hole tief Luft. Gleich darauf sehe ich mehrere Gegenstände auf mich zutreiben. Jetzt kenne ich meine Aufgabe und wie mechanisch greife ich nach meinem Paddel und drehe den Einer in die Strömung.

Videospiele

Während Mark und René das Boot sichern, paddele ich auf dem Wasser hin und her, um das Treibgut einzusammeln, welches schnell stromabwärts treibt. Es ist wie bei einem dieser frühen Videospiele, wo man Objekte einsammeln muss, die auf einen hereinstürzen. Das Besondere dabei ist, dass man dabei möglichst wenig verloren gehen lassen darf und sich vor vielerlei Gefahren in Acht nehmen muss. Hier gibt es ähnliche Schwierigkeiten: Ich darf keinesfalls zu weit abdriften, die Gegenstände unter der Wasseroberfläche sind zum Teil schlecht zu erkennen und das Boot besitzt nur begrenzte Ladekapazität. Das erhöht den Schwierigkeitsgrad ungemein. Um zwischendurch zwei Paddel und eine Trinkflasche am Ufer deponieren zu können, muss ich leider Marks Mütze und einen Wasserkanister ziehen lassen.

Zähe Minuten

Nachdem das Spiel vorbei ist, schaufele ich mich in Ufernähe zur Unglücksstelle vor. Die Strömung ist stark und der Fluss gibt keine Kehren frei. Ich benötige für die kurze Strecke mehrere zähe Minuten. Als ich endlich mit langen Armen und blasigen Händen bei Mark und René ankomme, ziehen sie gerade das Boot ins ruhige Flachwasser einer kleinen Bucht. Zwischen zwei Baumwurzeln können sie das Wasser ausschöpfen und die verbliebenen Utensilien bergen.

Keine Fotos

Die Bilanz der Havarie bringt Verwunderliches zutage: Das Oberdeck sieht ziemlich wüst aus. Wir hatten glücklicherweise alles an Bord vorsorglich mit Packriemen und Ösen vertäut, sonst wäre nichts in den Netzen geblieben. Diese Dinge sind jetzt zerknautscht und verschoben. Nur in den Ladeluken ist alles unversehrt und trocken geblieben. Während Mark und René das Boot leeren, habe ich tatsächlich vermeintlich wasserdichte Packsäcke zu entwässern. Obwohl wir die vorgeschriebene Anwendung, wie die Mindestwicklung, eingehalten haben, ist nichts trocken geblieben, wie es der Hersteller versprach. Nur ein einziger Sack hat dichtgehalten, vermutlich weil er bis zur Hälfte eingerollt war. Keiner der Säcke hat ein Loch, wie es eindeutig durch den Ballontest überprüfbar ist. Teilweise schütte ich das Wasser richtiggehend aus den Säcken, und leider auch aus Marks Fotokamera. Am Ende sind wir zwar froh darüber, alles Wichtige beisammengehalten zu haben, doch es ist schade, dass die Fotos aus Marks Kamera verloren sind.

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Mehr über den Bober

Der nächste Logbucheintrag? Hier auf RoadReport jeweils zu Beginn einer neuen Woche!

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    5. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer - roadreport on August 14th, 2010 at 00:50

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