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5. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 2: Die Bober-Taufe

Gegen die Stauklappen über uns klatschen bedrohlich die Wellen, die von einem böigen Septemberwind herangeschoben werden. Das Wasser rieselt kleckerweise vom Wehrtor herunter und versickert vor unseren Füßen im Kiesbett.Mehr ist hier vom Bober nicht übrig geblieben. Alles andere saugen die Turbinen eines Energiekonzerns abseits des Hauptlaufs auf. Das bedeutet schlechte Zeiten für Wanderfische und Kanuten.

Zeichen

Aber auch sonst hatte der Mensch hier seine Zeichen gesetzt. Um uns herum liegt eine von verlassenen Tagebaugruben durchlöcherte Landschaft, die zu einer menschenleeren Einöde mutiert ist, in der von der dünnen Schicht fruchtbarer Muttererde nichts mehr zu sehen ist. Nur ein paar Bäume und das halbtrockene Flussbett vor unseren Füßen sind dem Land als letzter Schmuck geblieben.

Geisterwelt

Satt und träge marschieren wir, die Boote ziehend, durch die Geisterwelt eines halbtrockenen Flussbetts. Nach einigen hundert Metern erreichen wir den Wasserlauf des Kraftwerks. Beim Anblick des vielen Wassers kommen wir uns wie Verirrte auf einem kleinen, toten Nebenarm des Bobers vor, die endlich den richtigen Flusslauf wiedergefunden haben. Doch eigentlich verhält es sich umgekehrt, denn der Bober bekommt hier sein Wasser zurück, das die Turbinen über einen einmündenden Seitenkanal ausspucken. Das Flussbett ist wieder randvoll und wir schieben unsere Boote ins tiefe Wasser. Sogleich treibt uns die Strömung schnell weiter.

Alleingestellt

Wieder sind wir in einem beängstigenden Tempo unterwegs. Manchmal können wir zwischendurch anhalten, um eine unübersichtliche Stelle zu besichtigen; manchmal aber auch nicht. Dann schießt der Zweier an der letzten Kehre vorbei und uns bleibt nur noch die Zeit dafür, uns kurz darüber zu verständigen, was wer bis dahin im Flussbett zu erkennen meinte. Tatsächlich wissen wir aber nie, was auf uns zukommen würde. Für die nächsten Augenblicke ist jeder auf sich gestellt. Ich versuche mich noch schnell mit dem Einer voranzuschieben und dann fahren wir geradewegs in die Stromschnellen hinein. Das Wasser klatscht von allen Seiten um die Boote. Einmal versuchten sich René und Mark noch an den rostigen Holmen einer alten Eisenbahnbrücke festzuhalten; doch vergeblich, der Holm brach unter der Trägheitsmasse des Bootes und die Strömung drängte sie weiter.

Ins Getose

Meistens bleibt nur der Weg nach vorn, mitten ins Getose hinein. Unten angekommen, sind wir immer froh über das gute Ende und freuen uns auch heimlich darüber, dass wir so schnell vorankommen. Denn immer wenn wir es doch einmal geschafft haben anzulegen, dann ist es an der steilen Uferböschung und im dichten Gestrüpp des Waldes eine langwierige Angelegenheit, das Fahrwasser zu klären. Somit ist es manchmal ganz praktisch, sich nicht entscheiden zu müssen, wenn wir ohnehin keine Wahl mehr haben.

Keine Wahl

Einmal jedoch wäre die Möglichkeit einer Wahl gut gewesen. Vermutlich haben wir diese Möglichkeit auch gehabt, sie aber einfach übersehen. Meistens sind es schlecht einsehbare Flussbiegungen, an denen sich der Lauf verengt und sich umgestürzte Bäume in die Strömung legen, wo wir misstrauisch werden. Eben solch eine Stelle erreichen wir gerade wieder, als ich freimütig entscheide, weiterzufahren. Für einen Zwischenstop wäre es auch schon bald zu spät gewesen und ich fürchte durch die Unruhe eines vergeblichen Halte-Manövers alles nur komplizierter als nötig zu machen.

Schwierigkeiten

Die Situation scheint klar zu sein: Eine S-Linie mit Baumverblockungen, die von rechts einzufahren sei, daraufhin zügig zur linken Seite hinüberziehen, um noch am letzten Baumstamm vorbeizukommen. So tue ich es auch und Mark und René folgten mir mit etwas Abstand. Doch während ich mich zur linken Seite hinüberschaufele, bemerke ich, wie es zunehmend enger zwischen mir und der letzten Baumleiche wird. Am Ende streife ich mit dem Heck sogar das Geäst, bevor ich wieder ins freie Wasser gelange. Sofort dämmert es mir: Für den trägen Zweier könnte es hier Schwierigkeiten geben.

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Mehr über den Bober

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