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4. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 2: Die Bober-Taufe

In dieser Anordnung sind wir vorerst ohne größere Schwierigkeiten unterwegs, bis wir eine ausgespülte Flussbiegung erreichen.Sie bildet eine weitläufige Wulst, an deren unterem, sich trichterförmig zusammenziehendem Ende mehrere umgestürzte Bäume den Flusslauf blockieren. Ich gebe das vereinbarte Stop-Handzeichen und bin gespannt darauf, wie Mark und René diese für sie neue Aufgabe meistern würden. Es gelingt ihnen gut, und ebenso wie ich, setzen sie das Boot seitwärts auf den groben Schotter in der äußeren Kurvenseite.

Fallobst

Wir klettern eine steile Uferwand hinauf, von der auf ganzer Länge braune Lehmklumpen heruntergebrochen sind, die wie überreifes Fallobst auf der blanken Kiesböschung liegen. Es sind die Reste einer dünnen Erdschicht, die das Hochwasser der letzten Wochen unterhöhlt hat. Diese zwanzig Zentimeter Erde wirken so filigran und verleihen doch dem gesamten Tal seine Fruchtbarkeit, dass es uns erstaunt. Darauf liegen die Äcker eines naheliegenden Dorfes, deren Ackerfurchen bis ans Ufer reichen, wo sie abrupt abreißen und im Leeren enden. Dort, wo vor kurzem noch Kartoffeln lagen, drückt sich jetzt das strömend glucksende Wasser am Hang entlang.

Serienauftakt

Die Hindernisse in der Flusskurve sind leicht zu umtreideln. Wir machen mit unseren Booten flussabwärts an einer kleinen Kiesbank fest. Daraufhin steigen René und ich über die Kartoffeln, um das nachfolgende Fahrwasser zu besichtigen. Da tut Mark zum ersten Mal etwas, was er in dieser Woche noch öfter tun würde. Zuerst hören wir nur seinen kurzen lauten Schrei. Eines der Boote ist abgeschwommen, so dass er nicht umhin kommt, ins kalte Wasser zu springen und es zurückzuholen. Nachdem wir in einem schnellen Galopp über die Ackerfurchen zurückgerannt sind, sehen wir ihn schon wieder mit beiden Booten am Ufer sitzen – triefend nass. Das, was quasi seine Bober-Taufe war, haben wir damit leider verpasst; doch war dieses nur der Auftakt für eine ganze Serie weiterer Bäder, mit denen sich Mark im Verlaufe dieser Woche nicht ganz freiwillig einen unsterblichen Namen machen sollte. Manchmal kommt der Ruhm eben ungefragt.

Nicht angstfrei, aber angekommen

Die Weiterfahrt bleibt vorerst ohne weitere Überraschungen. Hin und wieder passiert der Fluss einen Höhenabfall, wo er stark beschleunigt und sich zwischen seinen Ufern wie ein ungezäumtes Tier windet. Dann bäumt er sich trotzig auf, stößt uns von einem Ufer zum anderen und versucht uns abzuschütteln. Doch vergeblich, wir sitzen fest in unseren Booten und werden darüber immer optimistischer. Wir sind froh über das flache Land um uns herum, weshalb das Höhengefälle gemäßigt bleibt. Das Tal ist stets weiträumig und die Berge halten fortwährend genügend Abstand zum Fluss. Es ist ein sonniger Tag geworden. Es versetzt uns in eine gute Stimmung, nun unter der Autobahnbrücke durchzufahren, über die wir gestern noch im Auto angereist waren. Hier draußen stellt sie symbolisch unsere einzige Verbindung in die Heimat dar. Als sie kurz darauf hinter uns liegt, bemerken wir, dass wir mittlerweile in diesem Land angekommen sind und von nun an auf dem Bober unterwegs sein würden. Wir sind zwar noch nicht angstfrei, aber wir haben uns in unsere neue Aufgabe eingelebt.

Kanuten haben Hunger

Am frühen Nachmittag ergibt sich der Fluss einer geheimnisvollen Kraft und wird breit und ruhig. Wir entspannen unsere Arme und atmen auf. Auf dem Wasser vor uns spiegeln sich heranziehende Wolkenberge in zartem Blau. Bald erkennen wir hinter einer langgezogenen Flussbiegung die modernen Bauten eines mächtigen Wehrs am Horizont. Es teilt den Fluss in mehrere Läufe. Wir wählen das größte Gefälle und schieben unsere Boote zwischen gelben Geländern über einen schmalen Laufsteg zum linken Ufer und halten nach einer weiteren halben Stunde Gepäcktransport im Schatten des Giganten ein Mittagsmahl ab. Für ausgehungerte Kanuten gibt es angebranntes Dosenfutter vom Gaskocher. Wir sind alle drei hungrig.

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