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2. Logbucheintrag: Schlesische Abenteuer

Wehrwölfe auf dem Bober

Tag 1: Ein kühler Sommer

Der Sommer in Dabrowa ist kühl und fast ein bisschen unfreundlich an diesem Abend. Der Regen hat nachgelassen und wir richten unser Lager wetterfest im Schutze hoher Bäume ein.Im letzten Tageslicht erkunden wir die nähere Umgebung. Erst jetzt, als sich unsere Sinne vollends auf die Situation vor Ort einstellt haben, bemerken wir, wie sich der Fluss unter der nahen Straßenbrücke so sehr verengt, dass seine Strömung unter lautem Glucksen und Gurgeln und mit schwindelerregender Geschwindigkeit an einer ausgespülten Straßenböschung vorbeischießt.

Hochwasserreste

Wir folgen dem Flusslauf und entdecken direkt hinter der Brücke die Reste einer Pegelanlage, die einen Wasserstand weit über Normal anzeigt. Dieser Anblick schürt unsere Unruhe von neuem und die Reste einer weggespülten Brücke mit den vor wenigen Tagen befestigten Fähnchen als Hochwassermarkierung, die bis an die Höhe der unterspülten Straße reichen, verstärken diesen unangenehmen Eindruck noch.

Glück-Wünsche

Unsere Strategie an diesem Abend lautet: Verdrängung. Wir kehren zum Lager zurück und versuchen das Gesehene zu vergessen. Unter aufgerissenem Himmel essen wir einfache Käse- und Salamibrote; auf mehr hat heute keiner Appetit. Dazu rüttelt böiger Wind an der Plane, von der immer wieder das vom Regen sich ansammelnde Wasser zu uns herüberspritzt. Vor dem Schlafengehen stoßen wir noch mit ein paar Becherchen Klosterbruder an. Eigentlich wollten wir uns dabei gegenseitig dazu beglückwünschen, dass wir es geschafft haben uns wieder einmal in der altbewährten Dreier-Formation zu einer Tour zusammenzufinden. Aber noch nie begann eine Tour so ungewiss wie diese, und so wünschen wir uns gegenseitig an diesem Abend für die nächsten Tage einfach nur Glück.

Unbezwingbar

Als wir ins Zelt kriechen, nieselt es wieder. Der Wind schiebt immer neue Wolkenfelder heran, die zügig am tiefen Himmel entlang ziehen und die Welt in ein unbeständiges Grau tauchen. Über Nacht steigert sich das Nieseln immer wieder in regelmäßigen Intervallen zu einem grellen Regengeprassel. Der Wind zottelt dazu lautstark an der Plane. Davon aufgewacht, stecke ich noch einmal den Kopf aus dem Zelt. Unterm fahlen Mondlicht sehe ich den Bober. Er ist aufgekräuselt wie ein wirrer Lockenkopf. Im matten Widerschein der Nacht wirkt er unbezwingbar und es scheint mir in diesem Augenblick unvorstellbar, dass wir morgen in unseren kleinen, schwerbeladenen Booten auf ihm unterwegs sein würden. Bald verfalle ich über das Grübeln in einen Dämmerzustand und höre Wind und Regen nicht mehr; aber es bleibt eine unruhige Nacht.

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