Auf der Neiße/Tag 7: Schlauchboot und Gummiwehr
Traurig kauern wir bei Wehr Nummer 26 auf dem Steg. Es ist das letzte Wehr unserer Tour und liegt unweit von Rothenburg mitten in einer weiten Heidelandschaft. Das letzte Wehr wirkt jetzt nicht mehr wie ein lästiges Hindernis, sondern symbolisiert vielmehr eine unüberwindbare Schwelle, hinter der unsere abenteuersüchtige Glückseligkeit mit dem Fluss davonzieht.
Ein Nest von Dickschiffen
Eine Woche haben wir gegen Wehre gekämpft. Dieser Kampf hat vorerst ein Ende gefunden. Für uns ist Schluss. Es tut weh, hier bleiben zu müssen. Jetzt bin ich wieder dort angelangt, wo ich den Fluss zum ersten Mal sah. Es war ein kalter Wintertag und dieselbe Sehnsucht. Ich will diesen Fluss bewandern, in voller Gänze, in wie viel Etappen ist egal. Eine Woche wie ein phantastischer Traum liegt hinter uns. Wieder aufgewacht, finden wir uns in einem Nest von Dickschiffen wieder. Wir sind verwundert und fast ein bisschen erschreckt über soviel Betrieb. Das ist nun unser Hafen, ein Gewirr aus Gummi und leichtbekleideten Wochenendtouristen mit Sonnenbrillen.
Unser Hafen
Das Anlanden von Boot und Gepäck ist ungewohnt komfortabel. Nach dieser wilden Woche kommen uns derartige Annehmlichkeiten fremd vor. Kaum haben wir es uns mit unserer gewohnten Logistik auf dem Steg eingerichtet, drängt sich eine Gruppe Schlauchboote zwischen unsere Sachen. Sie tauchen wie aus dem Nichts auf und sind genauso schnell wieder verschwunden. Die Sonntagsausflügler eilen zu ihren Fahrzeugen, die sie in ihre gemütlichen Stuben bringen. Nach diesem kurzen Schrecken folgt eine stille Pause, in der wir uns unserer Ankunft bewusst werden. So ein schnelles Ende haben wir nicht erwartet. Dann kommt neues Stimmgewirr näher und in regelmäßiger Abfolge schippern, wie auf eine Schnur gefädelt, immer neue Schlauchboote heran.
Basarstimmung
Wir sind nun plötzlich von lautem Touristentrubel umgeben. Die hektische Umgebung wirkt auf uns noch unwirklich. Es geht zu wie auf einem Basar. Nach dieser langen Reise haben wir also einen Marktplatz erreicht. Doch wir wollen nichts und haben nichts anzubieten. Also stehen wir etwas verloren abseits und gehören nicht dazu. Allmählich zerstreuen sich die Menschen und steigen in Busse und Autos. Als sie kurz darauf weg sind, legt sich eine wohltuende Stille auf das Land und der Marktplatz sieht jetzt aus wie eine ganz normale Wiese.
Und plötzlich Stille
Es ist bereits später Nachmittag. Unser Fahrer ist über unsere Position informiert und weiß nun, dass er entgegen unserer ursprünglichen Zielvorgabe an diesem Abend den Weg über sächsische Straßen nehmen muss, um zu uns zu gelangen. Bis er bei uns sein würde, haben wir noch etwas Zeit, um diesen Tag ausklingen zu lassen. Langsam erfasst uns wieder eine tiefe Ruhe. Wir saugen ein letztes Mal die herbwürzige Luft ein und atmen tief durch. In der Nähe baden noch Kinder. Sie wechseln ständig die Uferseite, so dass wir nicht wissen, wohin sie gehören. Wahrscheinlich sind sie auf beiden Seiten des Flusses zu Hause und amtliche Grenzbestimmungen machen ihnen keine Angst. Einige von ihnen kommen näher und schlendern betont zufällig an uns vorbei. Dabei beobachten sie uns mit verstohlenen Blicken. Wir erscheinen ihnen wohl sonderbar, weil wir noch hier und nicht mit den anderen Touristen weggefahren sind.

[...] 27. Logbucheintrag: Hart an der Grenze [...]
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