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16. Logbucheintrag: Hart an der Grenze

Auf der Neiße/Tag 5: Durch wildes Land

Wieder unterwegs, wollen wir die günstigen Bedingungen dazu nutzen, vorwärts zu kommen, zumal wir in dieser Richtung in den letzten Tagen wenig erreicht hatten. Unser Ziel haben wir noch nicht ganz aufgegeben, auch wenn das zugegebenermaßen an Phantasterei grenzt. Trotzdem kommen wir der Oder mit jedem Paddelschlag näher.

Zäune

Die folgende Etappe fordert außer etwas Hitzebeständigkeit nur wenig Ausdauer. Auf der Höhe des Nachmittags erreichen wir ein weiteres tückisches Wehr, wie sie es seit den letzten Tagen alle waren. Tückisch sind diesmal allerdings weniger die natürlichen Begebenheiten. Ein elektrischer Viehzaun ziert jedoch den einzig vernünftigen Ausstieg. Zum Viehzaun gehört ein Dorf, das sich im Westen nur mit vereinzelten Randgehöften zeigt. Diese Abseitslage zum Fluss war bisher auf unserer Reise für alle Ortschaften östlich und westlich der Neiße typisch. Man hält Abstand zur Neiße. Aus irgendeinem Grund haben sich alle bisher angetroffenen größeren und kleineren Siedlungen vom Fluss abgewandt – Da hatte auch Zittau mit seinen Abwässern keine Ausnahme gemacht. Nur manchmal zwischendurch überquerte eilig eine Brücke den Fluss oder die verwaisten Gebäude aus einer anderen Zeit waren zurückgeblieben, die keiner mitnehmen konnte. Selbst die Schafe, die den tückischen Elektrozaun schon kennen, beobachten uns hier aus sicherer Entfernung und wagen es nicht, näher zu kommen.

Keine Spur bleibt zurück

Uns lockt die Fischtreppe des Wehrs mit ihrer komfortablen Beschaffenheit. So verlieren wir alle Scheu vor der heimtückischen Elektrizität und schleppen unsere Ausrüstung über die gemauerten Stufen aus glitschigem Feldstein nach unten. Erstmals reicht es nun dank des abnehmenden Proviants, nur das Obergepäck vom Boot zu nehmen. Den beladenen Bootskörper bekommen wir schon ohne viel Aufheben ins Unterwasser. Trotz der wenigeren Mühe kommen wir dabei ins Schwitzen. Drum können wir es nicht bleiben lassen, die sinkende Spätnachmittagssonne bei einem ausgelassenen Bad im brodelnden Kehrwasser des Wehrs zu feiern. Während uns danach die heißen Steine der Uferbefestigung wieder aufwärmen, beobachten wir, wie die Wasserflecken auf der rauen Felsoberfläche trocknen und immer kleiner werden, bis nichts mehr von ihnen übriggeblieben ist. Von uns bleibt keine Spur zurück, als wir Kurs in die stillste Zeit des Tages nehmen.

Eine Brücke über uns

Dieser Sommertag neigt sich langsam dem Ende zu. Doch bevor wir uns für ein abgeschiedenes Plätzchen am Flusslauf entscheiden, wollen wir noch ein paar Flusskilometer runterschaufeln. Wir haben bereits eine Handvoll schöner Lagerstellen hinter uns gelassen, als wir lauter werdende Verkehrsgeräusche bemerken. Das helle Geräusch von Rädern auf Asphalt kommt immer näher. Plötzlich erhebt sich vor uns eine unvermutet große Brücke, die hoch und breit über die wilde Natur hinwegführt. Wir haben eine stark befahrene Straße mit einem Grenzübergang erreicht. Direkt dahinter brodelt das Wasser an einer kleinen Staustufe. Sie besteht aus einfachen Spundwänden, die quer in den Fluss gerammt sind. An der Kante fletscht scharfkantiges Eisen seine Zähne und droht damit, unser Boot aufzuschlitzen. Wir scheuen zurück und legen an.

Vorwärts

Unsere Hoffnungen auf einen baldigen Lagerplatz zerschellen in diesem Augenblick. Für diese Nacht hier zu bleiben, kommt für uns nicht in Frage – Mit Grenzern haben wir bereits so unsere Erfahrungen gemacht. Umkehren wollen wir aber auch nicht: Das haben wir noch nie getan, so schön die Sandbänke hinter uns auch gewesen sein mögen. Also müssen wir vorwärts, vorbei an diesem Hindernis, das zwischen uns und der nächsten Sandbank liegt, die sicher irgendwo stromabwärts im letzten Abendlicht auf uns wartet.

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