Auf der Neiße/Tag 4: In klösterlicher Obhut
Ein eigentümliches Flair hat in unser kleines Notlager Einzug gehalten. Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten eine ungeordnete Campingszenerie.Zögerlich blinzeln wir aus dem Zelt, woraufhin uns sofort die irritierten Blicke von vorbeifahrenden Radfahrern treffen. In dieser Frühe tingelt schon eine beachtliche Menge von denen auf dem Deich an uns vorbei. Uns wird sofort klar, dass direkt neben unserem Zelt der beliebte Oder-Neiße-Fernradweg vorbeiführt, der jetzt natürlich Hochsaison hat. Die rege Betriebsamkeit ist befremdlich. Glücklicherweise gewöhnen wir uns noch während des Frühstücks uns an unseren Schauwert, den wir unserem Publikum bieten, das uns nun auch freundlich grüßt.
Schattenlose Einsamkeit
In unmittelbarer Nachbarschaft hinter dem Deich liegt ein Klärwerk. Das erklärt den herben Duft, der schon seit gestern Abend auf unseren Geschmacksnerven herumtrampelt. Doch jetzt, mit der aufkommenden Tageswärme, entfaltet sich dieser zur vollkommenen Reife. Das allein ist schon Grund genug, bald seeklar zu machen. Ungewohnt schnell begeben wir uns wieder aufs Wasser, wohin uns auch das radfahrende Volk nicht folgen kann. Die Sonne spiegelt sich auf dem Fluss und die wiedergewonnene Einsamkeit wirkt beruhigend auf uns. Ein weites schattenloses Tal empfängt uns mit der Hitze eines neuen Tages. Erstmals auf unserer Tour können wir ein längeres Stück Strecke ohne Unterbrechung paddeln, bis wieder ein Rauschen das nahende Ende unserer Kilometerjagd ankündigt.
Ein Schild, ein Wehr
Neu ist jetzt, dass die Wehre ausgeschildert sind. Fast könnte man meinen, dass man sich hier ein bisschen auf Wassertourismus eingestellt hat. Doch weit gefehlt: Das steile, unwirtliche Ufer, an dem wir anlegen müssen, belehrt uns eines Besseren. Nach einer beschwerlichen Eroberung des Ufers stehen wir am Rande einer frischgemähten Heuwiese, die einen komfortablen Eindruck auf uns macht.
Angekommen
In der Ferne wird die Weidelandschaft von aufsteigenden Bergen begrenzt. Der Blick wird von einem sanft aufsteigenden Bergpanorama gefangen, das seine böhmische Anmut an diesem Vormittag hinter einem dunstigen Schleier zu verhüllen sucht. Aus diesen Tälern, die sich blass und fast unwirklich am Horizont abzeichnen, sind wir gekommen. Ihre Enge wirkt jetzt in unserer Erinnerung nur noch wie ein Traum. Das Tal ist nun weit und im Gefälle gemäßigt. Wir sind in der Lausitz angekommen und hoffen, den Teil der Neiße erreicht zu haben, wo gemütliches Wanderpaddeln Wirklichkeit werden kann.

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