Anzeige

8. Logbucheintrag: Hart an der Grenze

Auf der Neiße/Tag 3: Zurück in Deutschland

Die Strecke bis Zittau führt parallel zum Oder-Neiße-Radweg an einer Menge Schrott vorbei, der, wenig zur Zierde der Neiße, im Flussbett vor sich hin modert. Wahrscheinlich darf den hier keiner wegräumen, ohne eine der seltenen Genehmigungen dazu erhalten zu haben. Zittau ist schnell erreicht. Dort empfängt den nichtsahnenden Paddler eine lang auslaufende Sohlschwelle von unfreundlicher Beschaffenheit. Die unkomfortablen Überreste eines demontierten Walzenwehrs, wie wir auf einem Schild lesen können, zwingen uns zu einem weiteren Zwischenstop.

Ein gutes Wehr

Ein abgerissenes Wehr ist zwar ein gutes Wehr, so ist unsere Meinung, aber das sommerliche Niedrigwasser erlaubt es hier nicht, mit unserem Tieflader schadlos über die klaffenden Verblockungen ins Unterwasser zu rutschen. Das ist ein etwas kühler Empfang an diesem warmen Nachmittag, den Zittau da seinen Gästen bereitet. Doch die vorbeischlendernden Einwohner, die wir auf dem Deich treffen, kommentieren unsere Beschäftigung zwar ein bisschen ungläubig, aber sie sind uns allesamt herzlich wohlgesonnen. Wir müssen über einen steilen Parcours und ein umständliches Durcheinander von Stein und Beton umsetzen. Die klobig gestaltete Uferbefestigung beschäftigt uns bis in den Abend hinein. Ab und zu bleibt ein Spaziergänger auf dem Deich stehen und betrachtet eine Zeit lang das Schauspiel, wie zwei barfüssige Wilde ihre Habe über die herbe Böschung balancieren. Manchmal gesellen sich die weniger Scheuen auch für ein Weilchen zu uns und verwickeln uns in ein kleines Gespräch.

Besorgte Anwohner

Als unser Boot bereits wieder versteckt im unteren Flussbett liegt, befragt uns eine herbeizitierte Polizeistreife danach, ob wir zwei Paddlern gesehen hätten; besorgte Anwohner hätten sich ihretwegen bei den Behörden gemeldet. Zuerst bleiben wir ernst und zögern mit einer Antwort, doch dann geben wir uns zu erkennen und müssen lachen. Glücklicherweise finden auch die Polizisten diese Begegnung komisch und bleiben entspannt. Nachdem wir unsere fragwürdigen Absichten aufgeklärt haben, legen wir mit den besten Wünschen ab und lassen uns durchs abendliche Zittau treiben. Die Stadt reicht bis auf den Grenzübergang kaum ans Wasser. Wegen der umliegenden Wiesen wähnen wir uns vielmehr in der Nähe eines Dorfes.

Eine Insel

Wir sind noch nicht weit gepaddelt, als wir eine Insel im Flussbett entdecken. Sie liegt einladend in rotes Abendlicht getaucht am Fuße einer alten Eisenbahnbrücke und zieht uns unwiderstehlich an. Ein Brückenpfeiler steht mitten im Flussbett. In seinem Schatten bauen wir unser Nachtlager auf. Unser Zelt sieht neben der imposanten Bogenbrücke wie eine Miniatur aus. Wir sind glücklich über unsere kleine Lagerstatt inmitten der Neiße, die schöner nicht sein konnte. Umgeben von glucksendem Wasser, fühlen wir uns an diesem Abend wie Könige, oder zumindest wie Flusspiraten.

< < .. > >

Zum 1. Logbucheintrag

Mehr über die Neiße

  1. […] über die Neiße Verwandte Artikel:8. Logbucheintrag: Hart an der GrenzeAuf der Neiße/Tag 3: Zurück in Deutschland Die Strecke bis Zittau führt parallel zum […]

    7. Logbucheintrag: Hart an der Grenze - roadreport on Februar 15th, 2010 at 00:20
  2. […] 8. Logbucheintrag: Hart an der GrenzeAuf der Neiße/Tag 3: Zurück in Deutschland Die Strecke bis Zittau führt parallel zum Oder-Neiße-Radweg… […]

    9. Logbucheintrag: Hart an der Grenze - roadreport on März 1st, 2010 at 15:36

Schreib einen Kommentar

Deine Email wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert *

*
*

Du kannst auch etwas HTML benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Das Glück liegt auf der Straße.

    Die Info-Seite für Rad-, Fuß- & Wasserwanderer mit Berichten, News und Infos zu Radwegen, Wanderwegen und Wasserrouten.

    Impressum
    Zum Autor
    Presse & Kooperationen

  • Kategorien

    • Aktuelle Meldungen (23)
    • Allgemeines (1)