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7. Logbucheintrag: Hart an der Grenze

Auf der Neiße/Tag 3: Zurück in Deutschland

Kaum sind wir wieder auf dem Wasser und hinter der nächsten Flussbiegung verschwunden, da tritt das Tal vor uns in voller Breite auseinander.Das muss das Zittauer Becken sein. Der Fluss zeigt sich hier erstmals paddlerfreundlich und mäandert zaghaft unter freiem Himmel. Den Wald lassen wir hinter uns. Eilige Wolkenfetzen treiben über uns dahin.

Eine Ecke, drei Länder

Über kleinere Sohlschwellen und Untiefen schrammend, erreichen wir die Grenze. Dort empfängt uns das Zittauer Dreiländereck mit einem rauschenden Fallwehr. Es liegt abgeschieden zwischen gemähten Wiesen und zeigt sich herausgeputzt mit einer dreifachen Beflaggung. Links vom Fluss liegt Deutschland und das rechte Ufer teilen sich die Tschechei und Polen. Eine unauffällige Weiterfahrt durch dieses internationale Territorium wäre uns durchaus lieber gewesen, doch das Wehr zwingt uns zum Anlanden.

Das normalste der Welt

Verstohlen dreinblickend legen wir am rechten Ufer an. Wir fühlen uns dabei nicht wohl, denn unsere Grenzgenehmigung ist nur für gestern gültig gewesen. Dieses Dilemma aufwendig zu kaschieren, halten wir für vergebliche Mühe. Also tun wir so, als wäre es das Normalste der Welt, hier, aus Böhmischen Dörfern kommend, mit Boot und Paddel aufzukreuzen und den Weg Richtung Zittau einzuschlagen.

Strenge Blicke

Wir sind gerade dabei, mit betonter Souveränität den dazugekommenen Zuschauern unser logistisches Hin und Her vorzuführen, als wir dabei jäh von einer uniformierten tschechisch-polnischen Delegation unterbrochen werden. Sie kommt plötzlich mit einem Geländewagen wie aus dem Nichts aus dem Wald herangefahren. Sie steigen aus und kommen mit triumphierendem Gesichtsausdruck auf uns zu. Unsere aufgesetzte Lässigkeit verfliegt für Momente unter den strengen Blicken der wachhabenden Jury. Ich beeile mich, das abgelaufene Dokument hervorzukramen und reiche es ihnen mit einer bedeutenden Geste. Leider bemerken die Herren schnell, dass gestern nicht heute ist, und bringen ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck. Damit ist unser bester Trumpf verspielt.

Ermahnungen

Wir verstehen nichts von dem, was sie da mit forderndem Ton zu uns sprechen, doch wir bemerken die finsteren Mienen und die aufgebrachten Gebärden der Grenzer. Schnell ergreifen wir das Wort um Schlimmeres zu vermeiden. Wir wollen unter allen Umständen an unserem Vorhaben festhalten und tragen mit Händen und Füßen unser grenzüberschreitendes Anliegen vor. Trotz aller respektablen Sprachfertigkeiten kann uns aber nur das abgelaufene Genehmigungsschreiben vor Schlimmerem bewahren, auf das wir immer wieder verweisen. Wir dürfen unsere Fahrt unter eindringlichen Ermahnungen fortsetzen.

Die Grenzwacht „is watching you“

Jetzt wissen wir, dass es immer gut ist, ein abgestempeltes Papier bei sich zu haben, auch wenn der Inhalt zweifelhaft sein mag – Eine Feststellung, die wir hier nicht zum ersten Mal machen. Das Folgende kennen wir schon: Die Grenzwacht „is watching you“ – Und wehe, wir legen noch einmal am polnischen Ufer an! Darauf lauert der pflichtbewusste Grenzer hier nur, doch wir werden ihm ein solches Vergehen nicht bieten; das haben wir uns fest vorgenommen.

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