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4. Logbucheintrag: Hart an der Grenze

Auf der Neiße/Tag 2: Abfahrt ohne Ankunft

neisse-oberlaufGeläutert stellen wir uns dem weiteren Tagespensum, das uns insbesondere mit drei Wehren beschäftigten sollte, die wir aufwendig umtragen müssen. Nichts davon ist vorab von uns geplant worden – wir bewegen uns quasi im weißen Bereich der Wasserwanderkarten. Relevante Informationen zum Oberlauf der Neiße waren nur spärlich zu finden gewesen und ließen genügend Raum für allerlei Interpretation. Aber genau deswegen sind wir wahrscheinlich auch hier.

Weiße Flecken

Im weiteren Verlauf des Tages gewinnen diese weißen Flecken allmählich Farbe: Die Wehre zeichnen sich insbesondere durch extrem kurze Rückstauzonen aus, so dass wir dem Ohr mehr Beachtung schenken müssen als dem Auge, dass sich ständig in der verschwenderisch ausgestatteten Natur verliert. Die Gefahr ist so sehr groß, dass wir das Rauschen überhören und uns plötzlich hinter der nächsten Flussbiegung im Sog eines Fallwehrs wiederfinden.

Nichts, was mit Wasserwandern zu tun hat

Die Möglichkeiten des Anlandens und Umtragens sind im engen Flusstal beschränkt. Verwachsene Ufer und unwegsames Gelände machen uns den Nachmittag schwer. Dementsprechend ist der Begriff des Umtragens nur als relativ zu verstehen, denn wenn der Proviant und die Wasservorräte für eine Woche Paddeln immer wieder über steile Felswände und unwegsame Strecken transportiert werden müssen, dann wehrt sich bald auch das letzte bisschen Verstand dagegen, von einem Umtragen zu sprechen. Vielmehr handelt es sich um ein Schleppen, Zerren, Humpeln und Springen über Stock und Stein und allerlei andere hinderliche Gegenstände. Das Tal verliert dadurch zwar nichts von seiner wilden Schönheit, aber es zeigt sich immer verblockter und allmählich wird es eng für uns. Mittendrin kraxeln wir gelegentlich durch vertrocknete Flussschleifen, wo an den Wehren das wenige Wasser im Fluss in den alten Umflutkanälen der Wassermühlen verschwindet. Für alle Zweifler und Ahnungslosen sei als letzte Warnung dazu noch gesagt: Wir haben hier wirklich nichts gefunden, was auch nur im Entferntesten mit Wanderpaddeln zu tun hat!

Auf löchrigen Socken

Zuletzt liegt Stille über dem Flussbett. Wo sonst das kalte Wasser plätschert, glühen jetzt runde Kiesel in der Abendsonne. Der Sommer hat dem Fluss eine ungewohnte Ruhe verliehen. Kein Rauschen und nur die Laute von Vögeln und anderem Kleingetier erfüllen die Luft. Darunter mischt sich unser Kichern, denn wir können es nicht fassen, wie wir hier am frühen Abend mit unserem Interieur auf löchrigen Socken über das Geröll stolpern. Wir vermissen ungemein unsere Schuhe. Die Füße brennen trotz des kühlenden Wasserrinnsals.

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Zum 1. Logbucheintrag

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